Raus aus der Kiste: Sachwalterschaft wird neu aufgestellt

19. März 2014, 18:02
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Rund 59.000 Betroffene in Österreich - Modellprojekt "Unterstützung zur Selbstbestimmung"

Wien - Seniorenbundobmann Andreas Khol nennt es das "Fallbeil der Sachwalterschaft". So jedenfalls fühle es sich für die rund 59.000 in Österreich Betroffenen an, "wenn von heute auf morgen ein wildfremder Mensch über ihr Leben entscheidet", ergänzt die Nationalratsabgeordnete Gertrude Aubauer (beide ÖVP), weshalb Justizminister Wolfgang Brandstetter bei der gemeinsamen Präsentation des Modellprojektes "Unterstützung zur Selbstbestimmung" die Idee hinter dem Vorhaben salopp zusammenfasst: "Nicht jeder, der in irgendeiner Form schrullig wird, wird dann gleich in die Kiste Sachwalterschaft gesteckt."

Die Eckpunkte des bis Herbst 2015 angelegten Projektes: An 17 Standorten wird seit Anfang März automatisch jede Anregung zur Sachwalterbestellung automatisch an eine sogenannte Clearingstelle weitergeleitet. Dort suchen Sozialarbeiter gemeinsam mit den Betroffenen und deren Umfeld andere Möglichkeiten als die Sachwalterschaft. Das können "Coaches" für bestimmte Lebensbereiche sein oder "betreute Konten", aber auch die simple Unterstützung durch den Nachbarn. Schließlich will man das Projekt ja möglichst kostenneutral halten.

Am Ende wünscht sich der Justizminister deutlich weniger Sachwalterschaften, denn: "Der Anstieg hat nicht nur demografische Gründe", Sachwalterschaft sei oft schlicht die "bequemste" Lösung. Bis 2016 will Brandstetter dann mit den neu gewonnenen Erkenntnissen den Entwurf für ein neues Sachwalterrecht vorlegen. (riss, DER STANDARD, 20.3.2014)

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