"Pisa-Absage ist Armutszeugnis für marode Bildungspolitik"

19. März 2014, 17:44
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Das vorläufige Aus der Pisa-Tests bringt die heimische Bildungsdebatte endgültig in eine gewaltige Schieflage. Beim schwarzen Lehrertreff in Linz ist der rote Vorstoß auf jeden Fall klar durchgefallen

Linz - Musik macht gerne angespannte Menschen irrsinnig locker. Wohl der Grund, warum die Big Band des Borg Grieskirchen an diesem Mittwochmorgen ganz besonders beherzt in die Tasten greift. "You can dance, you can jive, having the time of your life ..." Gut, jetzt mag Abba vor dem zweiten Morgenkaffee etwas heftig sein, der Stimmung beim Bundeslehrertag der Fraktion Christlicher Gewerkschafter im Donauforum der Oberbank in Linz tat der Schweden-Pop jedoch keinen Abbruch.

Mit einem herzhaften "Dancing Queen, feel the beat from the Tambourine ..." starteten die rund 1500 FCG-Lehrer dann in einen durchaus brisanten Vormittag. Auf dem Lehrplan stand vor allem ein Thema: Die Pisa-Absage und der Wunsch nach einem Oberösterreich-Ableger. Zunächst nutzte Bildungslandesrätin Doris Hummer (ÖVP) die Gunst der Stunde und schrieb Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) erneut ins "Klassenbuch", dass sie sich einen Alleingang beim Pisa-Test 2015 nicht verbieten lasse: "Da mach ich sicher nicht mit. Man kann sich nicht einfach von einem internationalen Gradmesser verabschieden. Wir schädigen damit das Ansehen unseres Landes enorm."

Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) setzt nach: "Wir brauchen den Vergleich nicht zu scheuen." Und außerdem sei es "sowieso lächerlich, wenn man Monate braucht, um ein Datenleck zu schließen". Unter den versammelten Lehrern fällt das Testergebnis für das ministerielle Pisa-Veto entsprechend schlecht aus. Es sei "skandalös" und ein "Armutszeugnis für die ohnehin marode Bildungspolitik", lässt eine junge Lehrerin zwischen Grüntee und Mohnkrone ihrem Ärger freien Lauf.

"Reiner Populismus" sei es - und eine "PR-Masche, um die Ministerin bekannter zu machen", setzt eine Kollegin nach. Mit einer Oberösterreich-Teilnahme können beide aber "nichts anfangen".

Im Saal hat Bildungsforscher Stefan Hopmann das Podium erklommen und erntet für seine schonungslose und pointierte Analyse viel Applaus: "Kurzfristig auf den Panikknopf zu drücken macht uns national wie international unglaubwürdig."

Auf kein Verständnis trifft der verhängte vorläufige Stopp aller vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) durchgeführten Schulleistungserhebungen auch bei der Österreichischen Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen.

Doch es gibt auch Befürworter: Für Wolfmar Schauer, einen Lehrer an der Tourismusschule Bad Ischl, ist die Pisa-Absage ein "mutiger Schritt". Die Nachdenkpause müsse aber "ordentlich genutzt" werden. "Man muss umdenken, es fehlt die Leistungsbereitschaft. Schule macht nicht nur Spaß."

Roter Pädagogengipfel

Parallel zum schwarzen Lehrertreff lud am Mittwoch in Linz auch der Bund Sozialistischer Akademiker (BSA) zum Bundeslehrer-Event. 300 Pädagogen diskutierten im neuen Kulturtreff "Central" über rote Bildungskernthemen wie die Neue Mittelschule und eine ganztägige Schulform. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 20.3.2014)

  • Flotte Musik, trendige Bühnendeko - aber ernste Themen: Im Linzer "Donauforum" diskutierten Lehrer über die Schule von morgen.
    foto: wjd

    Flotte Musik, trendige Bühnendeko - aber ernste Themen: Im Linzer "Donauforum" diskutierten Lehrer über die Schule von morgen.

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