Die eidgenössische Wundertüte

19. März 2014, 17:28
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Salzburg geht nach dem torlosen Auswärtsremis als Favorit ins Achtelfinal-Heimspiel der Europa League gegen den FC Basel. Aber der Serienmeister aus der Schweiz ist schwierig auszurechnen

Salzburg/Wien - Der FC Basel hat ein höheres Ziel als das Viertelfinale der Europa League. Erste Priorität hat der fünfte Meistertitel en suite, weil der den Schweizern für die nächste Saison den Platz in der Champions League garantiert. Und am Sonntag wartet auf den derzeit fünf Zähler vor den Grasshoppers liegenden Tabellenführer der Super League die Auswärtspartie beim viertplatzierten FC Zürich, der in diesem Jahr von sieben Spielen immerhin sechs gewonnen hat.

Dennoch wird Coach Murat Yakin die besten zur Verfügung stehenden Kräfte gegen Salzburg aufbieten, also auch Kapitän Marco Streller, der im Heimspiel wegen einer Prellung gefehlt hatte. Der 32-jährige Mittelstürmer, mit zehn Treffern aus 20 Ligaspielen Basels diesbezüglich Bester, gehört zu jener Fraktion, die mit dem vom 39-jährigen Coach gepflegten Defensivstil nicht immer einverstanden ist.

Streller, der seine Karriere in der Nationalmannschaft nach öffentlicher Kritik an seiner Person und Differenzen mit Coach Ottmar Hitzfeld von einem Tag auf den anderen beendet hatte, ist in seiner Heimat im Gegensatz zu Yakin sehr beliebt. Dabei ist auch der zumindest nahe der drittgrößten Schweizer Stadt aufgewachsen - mit seinem um drei Jahre jüngeren, bei Bellinzona noch aktiven Bruder Hakan und wie übrigens auch Tennisstar Roger Federer - nämlich in Münchenstein, Kanton Basel-Landschaft.

Die Yakins, deren Eltern aus der Türkei kamen, gehören quasi der ersten Generation der sogenannten Secondos an, jenem Reservoir aus in der Schweiz geborenen Einwandererkindern, aus dem der eidgenössische Fußball in den vergangenen Jahren einen Gutteil seiner Stärke schöpfte.

Aus seiner eher schwierigen Jugend bewahrte sich Yakin eine gewisse Reserviertheit, die in der Anhängerschaft des FCB wie eben auch das weniger spektakuläre Spiel der Mannschaft nicht sonderlich gut ankommt. Vergangenes, etwa dass der 49-fache Internationale als Profi Starallüren an den Tag legte, wird bei gegenwärtigen Problemen, wie den immer wiederkehrenden Querelen mit den beliebten Zwillingen David und Philipp Degen (31) gerne aufgewärmt. Dass Streller vor dem verletzt versäumten Heimspiel ordentlich die letzte Baseler Fasnacht ausgekostet hatte, war dagegen kein großes Thema.

Während Salzburgs Coach Roger Schmidt hinsichtlich seiner Formation für das Heimspiel gegen Basel keine Zweifel offen ließ - Florian Klein ersetzt den verletzten Christian Schwegler, der Brasilianer Rodnei schmückt statt des gesperrten Martin Hinteregger die Innenverteidigung und Alan wäre wieder fit - pflegt sich Kollege Yakin ein Sport daraus zu machen, die professionellen Beobachter bezüglich seiner Wahl möglichst im Unklaren zu lassen. Fix ist, dass Matías Delgado im Gegensatz zum Hinspiel fehlt, der Argentinier ist verletzt. Dagegen ist der chilenische Internationale Marcelo Díaz wie Streller, der Giovanni Sio aus der Mannschaft drängt, wieder fit.

So oder so meinte Schmidt am Mittwoch, dass Salzburg in der durch 29.800 Menschen ausverkauften Red Bull Arena für den Erfolg sein Spiel "durchdrücken" müsse. Just das ist vor einer Woche beim 0:0 im St. Jakob-Park mit Ausnahme der ersten Viertelstunde nicht gelungen. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 20.3.2014)

Europa League, Achtelfinal-Rückspiel, Donnerstag

Red Bull Salzburg - FC Basel
Red-Bull-Arena, 21.05 Uhr/live ORF eins, Sky und Kabel eins, SR Gräfe (GER)
Hinspiel 0:0, Sieger im Viertelfinale (Auslosung am Freitag, 13 Uhr, in Nyon)

Mögliche Aufstellungen

Salzburg: Gulacsi - Klein, Ramalho, Rodnei, Svento - Ilsanker - Kampl, Leitgeb, Mane - Alan, Soriano

Ersatz: Walke - Schiemer, Hierländer, Meilinger, Lazaro, Berisha, R. Zulj

Es fehlen: Hinteregger (gesperrt), Schwegler (Muskelverletzung), Vorsah (rekonvaleszent nach Kreuzbandriss), Ulmer (Bruch des Wadenbeinköpfchens)

Basel: Sommer - P. Degen, Sauro, Suchy, Ar. Ajeti - Elneny - D. Degen, Frei, Diaz, Stocker - Streller

Ersatz: Vailati - Aliji, Embolo, Al. Ajeti, Sefaragic, Dünki, Sio

Es fehlen: Serey Die (gesperrt), Delgado, Xhaka, Adili, Iwanow, Voser, Schär, Safari (alle verletzt)

  • Der wieder fitte Kapitän Marco Streller und Valentin Stocker (re.) wissen um die Richtung, die der FC Basel einschlagen sollte.
    foto: reuters/sprich

    Der wieder fitte Kapitän Marco Streller und Valentin Stocker (re.) wissen um die Richtung, die der FC Basel einschlagen sollte.

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