Leukämiepatienten besitzen mehr Antikörper gegen Herpesvirus

19. März 2014, 16:36
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Menschen mit chronisch lymphatischer Leukämie (CLL) sind zwar anfälliger für Infektionen wie Varizellen, Influenza oder Pneumokokken, sind aber resistenter gegen das Cytomegalievirus

Wien - An chronisch-lymphatischer Leukämie erkranken rund 80 ÖsterreicherInnen jährlich, an der Klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie der MedUni Wien befinden sich derzeit rund 500 PatientInnen in Betreuung. Die Betroffenen sind im Schnitt 65 Jahre alt, die Erkrankung verläuft schleichend und wird oft mittels Zufallsbefund diagnostiziert.

Im Rahmen ihrer Forschungen zur unheilbaren, chronisch-lymphatischen Leukämie (CLL) stellten die Studienleiter Christoph Steininger und Katrina Vanura fest, dass CLL-PatientInnen vermehrt über Antikörper gegen das Cytomegalievirus verfügen.

"Schlummerndes" CMV-Virus

Das Cytomegalievirus (CMV) ist ein zur Gruppe der Herpesviren zählendes DNA-Virus, das rund 60 Prozent aller Menschen "schlummernd" in sich tragen. Menschen mit intaktem Immunsystem kann CMV nichts anhaben. Bei Immunsupprimierten nach einer Transplantation, bei Menschen mit einer HIV-Erkrankung sowie Menschen, die aus einem anderen Grund über ein geschwächtes Immunsystem verfügen, kann CMV allerdings schwerwiegende Folgen haben: wochenlanges Fieber, erhöhte Leberwerte, bis hin zu schweren Organschäden.

"CMV ist zudem auch die häufigste virale Ursache für Fehlbildungen in der Schwangerschaft seit der Einführung der Röteln-Impfung", sagt Steininger. Daher könne seiner Meinung nach eine präventive CMV-Impfung für werdende Mütter analog zur Immunisierung gegen Röteln eingesetzt werden, um mögliche Missbildungen oder Schädigungen beim Embryo zu verhindern.

Glykoprotein B

Zwei Impfungen gegen das Cytomegalievirus befinden sich bereits in Phase-II/III-Studien. Im Zuge der aktuellen CLL-Studie konnten die Wiener Mediziner zeigen, dass sich die Entwicklung des CMV-Impfstoffs auf ein richtiges Protein, nämlich auf Glykoprotein B, konzentriert. Das Immunsystem bildet bei einer Erstinfektion Abwehrfaktoren gegen eine Vielzahl von Virusproteinen, erinnert sich aber bei einer erneuten Infektion nur an eine kleine Gruppe viraler Proteine, wozu das Glykoprotein B gehört.

Im Gegensatz zu anderen Infektionen sind CMV-Erkrankungen bei CLL-PatientInnen von geringer Bedeutung. Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Immunsystem das schlummernde CMV-Virus, immer wenn es "aufwacht", erfolgreich bekämpft  und so "trainiert" wird. Dadurch stehen auch in fortgeschrittenen Stadien der Leukämie noch ausreichende Abwehrfaktoren zur Verfügung, um eine Erkrankung durch dieses Virus zu verhindern. (red, derStandard.at, 19.3.2014)

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