Homosexuellenrechte: Deutliches Ost-West-Gefälle in Europa

Infografik23. März 2014, 16:28
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Österreich hinkt trotz gesellschaftlicher Akzeptanz von Homosexualität bei rechtlicher Gleichstellung hinterher

Wien – Eine überraschende Jahreszahl steht am Beginn einer Studie zu den Rechten Homosexueller in Europa: Frankreich war das erste Land auf dem Kontinent, das gleichgeschlechtliche Verbindungen legalisierte – und zwar bereits 1791. Belgien zog 1794 nach, die Niederlande 1811. Zum Vergleich: In Österreich war dies erst 1971 der Fall, immerhin erfolgte dieser Schritt noch vor Finnland und Norwegen (1972). 

Der Wissenschafter Werner T. Bauer hat für die Österreichische Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung einen aktuellen Vergleich von Homosexuellenrechten in Europa angestellt, der dem Standard vorliegt. Er kommt zu dem Schluss: Obwohl Österreich als "tolerantes Land" gilt – dies belegte zuletzt eine Eurobarometerumfrage, die der heimischen Gesellschaft eine überdurchschnittlich hohe Akzeptanz von Homosexualität attestierte – liegt es immer noch im Schlussfeld, was die rechtliche Gleichstellung von homo- und heterosexuellen Paaren betrifft, besonders in Bezug auf deren Möglichkeit, Kinder zu bekommen. Österreich befindet sich damit in Gesellschaft von Staaten, in denen Homophobie deutlich verbreiteter ist als hierzulande.

Tatsächlich zeigt sich in dieser Frage in Europa ein deutliches Ost-West-Gefälle. Abgesehen von Ungarn, Tschechien, der Slowakei und den ex-jugoslawischen Staaten gibt es in keinem osteuropäischen Land die Ehe oder ein ehe-ähnliches Institut für gleichgeschlechtliche Paare. Westeuropäischer Ausreißer ist Italien, auch dort gibt es keine Möglichkeit für Homosexuelle, formal eine Partnerschaft einzugehen. 

Internationaler Vorreiter war Dänemark, das 1989 als erstes Land weltweit ein Gesetz über eingetragene Partnerschaften verabschiedete. Norwegen folgte 1993, Schweden 1995, Island 1996 und die Niederlande 1998. In den erwähnten Ländern können Homosexuelle auch fremde Kinder adoptieren; möglich ist dies darüber hinaus in Frankreich, Belgien, Großbritannien und Spanien. Dort ist auch die In-vitro-Fertilisation für lesbische Frauen möglich. Nach einem Urteil des Verfassungsgerichtshofes muss es in Österreich bis Ende 2014 ein entsprechendes Gesetz geben. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 24.3.2014, Grafik: Florian Gossy, Markus Hametner)

  • Höchst unterschiedliche Situationen in Europa für Familien und Paare unter dem Regenbogen.
    foto: apa

    Höchst unterschiedliche Situationen in Europa für Familien und Paare unter dem Regenbogen.

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