Der Azara-Nachtaffe ist ein Ausbund an Monogamie

23. März 2014, 17:36
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Forscher untersuchten eine Population in Südamerika und konnten kein einziges untergeschobenes Kind finden

Göttingen - Echte Monogamie ist in der Welt der Säugetiere nicht der übliche Lebensstil - Schätzungen zufolge leben höchstens fünf Prozent der Arten in Partnertreue. Diese Schätzungen mussten auch immer wieder nach unten korrigiert werden, weil bei zuvor für monogam gehaltenen Tierarten Vaterschaftstest ganz andere Ergebnisse lieferten.

Nun berichtet das Leibniz-Institut für Primatenforschung von einer Spezies, die der winzigen Minderheit der Monogamen tatsächlich angehören könnte: der aus Südamerika stammende Azara-Nachtaffe (Aotus azarae). Biologen um Maren Huck vom Deutschen Primatenzentrum berichten in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" von ihrer Studie an einer Nachtaffen-Population in Argentinien. Alle 35 untersuchten Jungtiere dieser Population stammten tatsächlich von den Elterntieren, die sie aufzogen. 

Die Studie

Man wusste zuvor bereits, dass die Männchen dieser Affenart einen großen Teil der Jungenaufzucht übernehmen. Um die tatsächliche genetische Verwandtschaft festzustellen, sammelten die Wissenschafter Proben von insgesamt 128 Tieren. So erhielten sie genetische Analysen von 35 Jungtieren und 17 sich fortpflanzenden Paaren sowie von einigen weiteren Paaren und Einzeltieren.

"In den 18 Jahren, in denen das Nachtaffen-Projekt läuft, haben wir kein einziges Mal ein Fremdgehen beobachtet. Allerdings waren wir doch überrascht, dass wir tatsächlich kein einziges Kuckuckskind gefunden haben", fasst Co-Autor Eduardo Fernandez-Duque von der University of Pennsylvania die Ergebnisse zusammen. Huck ergänzt: "Wir sind die ersten, die echte Treue bei Affen nachweisen konnten. Überhaupt gibt es nur vier Studien an Säugetieren, die genetische Monogamie zeigen."

Die Forscher vermuten, dass es einen starken Zusammenhang zwischen Treue und dem Engagement der Männchen bei der Aufzucht der Jungtiere gibt. "Wenn der Vater sicher sein kann, dass der Nachwuchs seine Gene trägt, dann lohnt es sich auch, viel in die Jungenaufzucht zu investieren", so Huck. Allerdings bleibt die Richtung des Zusammenhangs offen: Die Forscher können nicht sagen, ob die väterliche Fürsorge die genetische Monogamie bedingt hat oder umgekehrt. (red, derStandard.at, 23. 3. 2014)

  • Azara-Nachtaffen werden gut 35 Zentimeter lang, leben in weiten Teilen Südamerikas als Baumbewohner und ernähren sich vorzugsweise von Früchten. Und sie sind erstaunlich partnertreu.
    foto: c. valeggia/owl monkey project

    Azara-Nachtaffen werden gut 35 Zentimeter lang, leben in weiten Teilen Südamerikas als Baumbewohner und ernähren sich vorzugsweise von Früchten. Und sie sind erstaunlich partnertreu.

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