Zweiter Verhandlungstag im Schlepper-Prozess

19. März 2014, 14:01
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Sechstbeschuldigter brachte "zwei bis drei Mal" für je 15 Euro Leute von der Philadelphiabrücke zum Praterstern

Wiener Neustadt - Im Gegensatz zum Auftakt zu Wochenbeginn ist am Mittwoch am Landesgericht Wiener Neustadt der Schlepper-Prozess gegen acht Asylwerber - darunter ehemalige Servitenkloster-Flüchtlinge - beinahe unbeachtet von Medien und Kiebitzen fortgesetzt worden. Am Vormittag stand die Einvernahme des Sechstbeschuldigten am Programm.

Den Männern aus Pakistan, Afghanistan und Indien wird vorgeworfen, im Rahmen einer international verzweigten kriminellen Vereinigung an der Schlepperei von Asiaten beteiligt gewesen zu sein. Als die "kleinsten Fische" (so ein Verteidiger) sollen sie Geschleppten Nächtigungsmöglichkeiten in karitativen Einrichtungen geboten bzw. Mitfahrgelegenheiten bei der Schleusung durch Österreich in andere EU-Zielländer verschafft haben.

Die Befragung des Sechstangeklagten, ein pakistanischer Staatsbürger, der sich selbst mit erst 17 Jahren über die Balkan-Route nach Österreich hatte schleppen lassen, gestaltete sich zäh. Dem 19-Jährigen, der sich für den Prozess extra einen dunkelblauen Anzug gekauft hatte, musste man seine Antworten buchstäblich aus der Nase ziehen.

15 Euro für Transportfahrt in Wien

"Haben Sie selbst geschleppt?" fragte Richterin Petra Harbich. Antwort: "Zwei bis drei Mal innerhalb von zwei Monaten habe ich ein paar Leute von der Philadelphia-Brücke (dort kamen die aus Ungarn illegal eingeschleusten Asiaten am Bahnhof an, Anm.) abgeholt und sie zum Praterstern gebracht. Ich habe dafür jeweils 15 Euro bekommen. Ich habe das gemacht, weil ich Geld für Zigaretten und Taschengeld brauchte." Sonst sagte er zu den einzelnen Anklagefakten meistens: "Ich weiß nicht, ich hab' damit nichts zu tun."

Der Prozess ist bis 6. Mai anberaumt. Ob es dann tatsächlich ein Urteil geben wird, wurde von der Richterin am Mittwoch allerdings in Zweifel gezogen. Angesichts der langwierigen Einvernahme des Angeklagten gleich durch zwei Dolmetscher (einerseits in der Nationalsprache, andererseits des Dialektes, der in der Heimat des Pakistani gesprochen wird), entfuhr es der Richterin: "Also, wenn wir so weiter machen, können wir den Verhandlungsplan und den Urteilstermin gleich vergessen."

Verwirrung um Namen

Am Nachmittag ist plangemäß der Viertangeklagte einvernommen worden. Der 38-jährige pakistanische Staatsbürger war der einzige Beschuldigte, der sich in dem Schlepper-Prozess zum Auftakt am Montag "nicht schuldig" bekannt hatte. Seine Mitangeklagten hatten dagegen Teilgeständnisse eingeräumt.

Durch seine nicht geständige Verantwortung ging die Einvernahme auch um einiges zügiger vor sich als jene seines jungen mitangeklagten Landsmannes am Vormittag. Gleich zu Beginn der Befragung des 38-Jährigen gab es Verwirrung um seinen Namen. Der in der Anklageschrift genannte Nachname ist eigentlich sein Vorname. Der Fehler gründete sich darauf, dass der Beschuldigte - der übrigens zu Fuß von Griechenland nach Österreich gekommen sein will - vor den heimischen Behörden seine Namen sozusagen "verkehrt" angegeben hatte.

Die Staatsanwaltschaft unterstellt dem Mann, dass er in engem Kontakt zu einem der in Europa wichtigen Hintermänner der internationalen Schlepperorganisation stand. Richterin Harbich biss bei der Befragung des Angeklagten allerdings auf Granit.

"Ein reiner Freundschaftsdienst"

"Haben Sie jemals in Österreich bei der Einschleusung von Asiaten zu tun gehabt?", wollte die Richterin wissen. Er habe einen weitschichtig Verwandten einmal einige Tage bei sich wohnen lassen, antwortete der Angeklagte. "Ich habe nix dafür bekommen, es war ein reiner Freundschaftsdienst", ließ der Beschuldigte durch den Dolmetsch ausrichten. Auch habe er einige Male mit einem Mitangeklagten telefoniert, aber nur, weil man aus dem gleichen Dorf stamme. Die Gespräche seien aber belanglos gewesen.

"Warum wird Ihr Name immer als 'großer Schlepper' genannt?" hakte die Richterin nach. Sinngemäße Rechtfertigung: Landsleute, die illegale Firmen gründeten, hätten auf seinen Namen einen Kredit von 100.000 Euro aufgenommen. Als er Anzeige beim Finanzamt erstattet habe, hätten ihn seine "Gegner" bei der Polizei angeschwärzt. Da er sehr viel mit seinem Freund aus dem gleichen Heimatdorf telefoniert habe, sei wahrscheinlich der Verdacht der "Schleppereigeschichten" aufgekommen.

Der Prozess wird am Donnerstag mit der Einvernahme weiterer Angeklagter fortgesetzt. (APA, 19.3.2014)

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