Frühlingsbeginn: Die launische Oma März

20. März 2014, 11:23
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Frühlingsbrauch in Bulgarien: Rot-weiße Figuren namens "Martenitzi" sollen Schönwetter, Glück und Gesundheit bringen

Am Donnerstag ist astronomischer Frühlingsbeginn. Er wird in Bulgarien mit dem Tragen von "Martenitzi" begangen. Die aus rot-weißen Fäden gefertigten Figuren und Bändchen werden bereits am 1. März verschenkt, dem Tag, an dem die Ankunft von "Baba Marta" (Oma März) gefeiert wird.

"Martenitzi" werden um das Handgelenk gewickelt oder an die Kleidung angesteckt und so lange getragen, bis man ein erstes Frühlingszeichen - einen blühenden Baum, einen Storch oder eine Schwalbe - sieht. Dann werden sie in einen Baum oder Strauch gehängt oder unter einen Stein gelegt.

Es heißt, dass "Martenitzi" nur dann Glück und Gesundheit bringen, wenn sie verschenkt werden. Der 1. März ist in Bulgarien ein beliebter Feiertag, an dem Freunde und Verwandte jeden Alters einander mit den rot-weißen Glücksbringern beschenken und "Frohe Baba Marta" wünschen.

"Baba Marta", die Personifikation des Monats März, ist laut Volksglauben eine sehr launische Frau. Grund dafür seien ihre bösen Brüder Jänner und Februar, die ihren Wein stehlen und sich betrinken. "Baba Marta" ist deshalb häufig verärgert und bringt Kälte über das Land. Sie ist aber auch versöhnlich - immerhin gehören die Tunichtgute zur Familie. Das Tragen von "Martenitzi" soll sie besänftigen und Schönwetter bringen.

Um die Entstehung der Tradition ranken sich vielen Legenden. Die meisten drehen sich um die Gründung des Ersten Bulgarischen Reiches im 7. Jahrhundert und den damaligen Herrscher Khan Asparuch. Um ihm Glück zu wünschen, schickte ihm seine Frau eine Schwalbe mit einem weißen Faden. Weil diese aber so lange fliegen musste, tränkte sie den weißen Faden schließlich mit ihrem Blut. Eine andere Legende besagt, dass während eines Krieges, als die Männer in die Schlacht zogen, die Frauen sie baten, eine Brieftaube zu schicken: mit einem weißen Faden für Sieg oder einem roten für Niederlage. Die Männer aber schickten beide Farben, denn die Schlacht war gewonnen, doch viele waren dabei gestorben.

"Martenitzi" werden traditionell aus roten und weißen Baumwollfäden hergestellt, am häufigsten in Form zweier Figuren, die in Bulgarien "Pigo" und "Penda" genannt werden (ähnlich dem deutschen Hinz und Kunz). Heutzutage gibt es die Glücksbringer in allen möglichen Formen und Variationen, auch versehen mit Bildern bekannter Persönlichkeiten - zum Beispiel des ehemaligen bulgarischen Ministerpräsidenten Bojko Borissow. (Christa Minkin, derStandard.at, 20.3.2014)

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