Forscher sehen keine Notwendigkeit für Pisa-Teststopp

19. März 2014, 12:47
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Appell an Ministerin, "weiterhin Schulleistungsvergleiche durchzuführen"

Wien - Die Österreichische Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen (ÖFEB) spricht sich gegen den von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) verhängten vorläufigen Stopp aller vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) durchgeführten Schulleistungserhebungen aus. Die Forscher fürchten einen "erheblichen Schaden" für die Qualitätsentwicklung an den Schulen.

Heinisch-Hosek hatte die Teilnahme Österreichs an allen Bildungstests der kommenden Monate gestoppt, da beim Bifie, das die Erhebungen durchführt, die Datensicherheit nicht gewährleistet sei. Darunter fallen etwa die Bildungsstandard-Erhebungen sowie die Feldtests für die PISA-Studie und die Naturwissenschafts- und Mathe-Studie TIMSS. Auf einem rumänischen Testserver einer Bifie-Partnerfirma waren im Vormonat ungeschützte Ergebnisse von informellen Schülertests aus den Jahren 2011 und 2012 aufgetaucht.

Appell an Ministerin

Die ÖFEB unterstütze zwar die Bemühungen um größtmöglichen Datenschutz, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung:"Wir sehen allerdings in der gegenwärtigen Situation keine Notwendigkeit, aus diesem Grund die Durchführung nationaler und internationaler Schulleistungserhebungen generell zu stoppen, insbesondere dann, wenn missbräuchlich verwendbare personenbezogene Daten gar nicht erhoben bzw. gespeichert werden." An Heinisch-Hosek appellierten die Forscher, "den Weg einer daten- und evidenzbasierten Weiterentwicklung des Schulsystems nicht zu verlassen, auch weiterhin nationale und internationale Schulleistungsvergleiche durchzuführen und ihre Ergebnisse für die Forschung und die Schulentwicklung vor Ort bereitzustellen". Mit öffentlichen Mitteln erhobene Bildungsdaten müssten "der scientific community für weitergehende wissenschaftliche Analysen uneingeschränkt zur Verfügung stehen".

Ähnlich argumentiert der Bundes-Schulgemeinschaftsausschuss (Bundes-SGA), der den Hinweis Heinisch-Hoseks auf die Datensicherheit als "fadenscheiniges Argument" bewertet: "Standards, PISA, TIMSS, PIRLS etc. werden mit Papier und Bleistift durchgeführt", so Vorsitzende und Bundesschulsprecherin Angi Groß von der VP-nahen Schülerunion in einer Aussendung. "Wie das durch digitalen Datendiebstahl oder einen Hackerangriff gefährdet werden kann, entzieht sich meiner Kenntnis." "Zur Auswertung werden die Daten digitalisiert. Damit kann das BIFIE problemlos warten, bis die Datensicherheit gewährleistet ist. Und das kann doch wohl nicht Monate dauern, wenn Experten beauftragt werden", so Elternvertreter Theodor Saverschel, der im IT-Projektmanagement tätig ist. Saverschel wurde am Wochenende für zwei weitere Jahre zum Vorsitzenden des Bundesverbands der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen (BEV) gewählt. (APA, 19.3.2014)

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