Ehemaliger Auschwitz-Sanitäter festgenommen

19. März 2014, 11:52
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Mitglied der Waffen-SS soll den Lagerbetrieb und den Massenmord an Gefangenen unterstützt haben

Schwerin/New York - Ein 93 Jahre alter ehemaliger Sanitäter im NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ist in Mecklenburg-Vorpommern festgenommen worden. Die Schweriner Staatsanwaltschaft wirft dem Pensionisten aus der Nähe von Neubrandenburg Beihilfe zum Mord in einer Vielzahl von Fällen vor, wie die Behörde am Dienstag mitteilte.

Der frühere SS-Mann soll durch seine Tätigkeit im September 1944 den Lagerbetrieb und den Massenmord an Gefangenen unterstützt haben. Dabei geht es den Angaben zufolge besonders um acht Gefangenentransporte, die in dem fraglichen Monat im Lager Auschwitz eingetroffen seien. 1.721 Menschen seien gleich nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt worden, nachdem sie vom KZ-Personal als arbeitsunfähig eingestuft wurden. Die Transporte stammten aus Cadcy in Slowenien, Wien, Westerbork, Lyon, Triest, Berlin, Stutthof im Elsaß und Kaunas.

"Gerechtigkeit geschieht - egal, wie spät"

Der nun Festgenommene sei nach der Durchsuchung seiner Wohnung von einem Arzt untersucht, dem Haftrichter vorgeführt und in Untersuchungshaft genommen worden, teilte die Schweriner Staatsanwaltschaft weiter mit. Den Angaben zufolge war er von 1940 bis 1945 Mitglied der Waffen-SS.

Die Schweriner Staatsanwaltschaft hatte den Fall von der Zentralen Ermittlungsstelle für NS-Verbrechen in Ludwigsburg überwiesen bekommen. Nach Justizangaben laufen in Mecklenburg-Vorpommern derzeit keine weiteren Ermittlungen gegen ehemalige KZ-Aufseher.

Der Jüdische Weltkongress (WJC) begrüßte die Festnahme des Verdächtigen. "Wir schätzen es hoch ein, dass die deutschen Behörden bei der Verfolgung von tausendfachen Mördern oder deren Beihelfern nicht nachlassen", erklärte WJC-Präsident Ronald Lauder in New York. Die Festnahme sende "die klare Botschaft, dass Gerechtigkeit geschieht - egal, wie spät". (APA, derStandard.at, 19. 3. 2014)

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