Bunte Beete? Besser bald!

Kolumne27. März 2014, 07:54
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Nach einem Winter ohne Bodenfrost können Tulpenzwiebeln auch jetzt noch gesetzt werden - Gregor Fauma empfiehlt frühblühende Sorten

Hand aufs Herz, wer braucht spätblühende Tulpen? Wer sieht gern Tulpen im Beet, wenn die Rosen Anstalten machen zu blühen? Oder wer mag noch Tulpen, wenn die Clematis bereits bunt die Hauswand bedeckt? Und wer legt schon Wert auf Tulpen im Beet, wenn man dort vor allem eines braucht, nämlich Platz für die Sommerblüher? Also, und das scheint nun klar, spätblühende Tulpen haben in gesitteten Gärten nichts verloren. Wozu auch, wenn es doch die frühblühenden Vertreter von Tulipa gesneriana und deren Nachfahren am freien Markt gibt.

Die Lust an grellen Farben ist doch gerade zu Frühlingsbeginn, wo die Begleiterscheinungen des März das monatelange Martyrium des Grau aufbrechen, am größten. Jetzt, genau jetzt ist die Zeit für Tulpen, für Tulpen in allen Farben, Formen und Facetten. Und deren gibt es nahezu endlos viele, limitierend beim Onlineshoppen ist nur der Platz in den Beeten. Und ein Winter wie dieser gibt selbst den ärgsten Queens and Kings of Slow die Möglichkeit, noch schnell welche zu ergattern und in die Erde zu drücken. Solange der Boden nicht gefroren ist, geht das - und dazu hatte das Erdreich dieses Jahr recht wenig Anlass.

Tulpen vom Sultan

Die Tulpen haben wir ursprünglich den Türken und Persern zu verdanken, und einem Herrn namens Ogier Ghislain de Busbecq, der als Gesandter der Habsburger dem Sultan des Osmanischen Reichs, Süleyman I., einen Waffenstillstand und ein paar Tulpen abtrotzen konnte. Die Bezeichnung Tulpe muss ein Missverständnis gewesen sein, hieß und heißt die Tulpe in der Türkei doch nach wie vor "lalé". Möglicherweise hat sich der Überbringer auf die Form des damals sehr gehypten Turbans - auf Türkisch: tülbent - bezogen.

Wie auch immer, Tulpen wollen gepflegt werden. Die Zwiebeln sollten ungefähr doppelt so tief, wie sie selbst groß sind, eingegraben werden - mit den Wurzeln nach unten! Der Boden sollte stets feucht und humos sein, dezente Kompostgaben im Dezember sind hier kein Fehler. Und: Tulpen brauchen Platz. Der ideale Interzwiebularabstand entspricht der Größe einer Hinterlegungsbenachrichtigung der Post.

Energie sparen

Sind die Tulpen dann verblüht, sollte der Fruchtstand schleunigst herausgeschnitten oder abgezwickt werden, damit die Pflanze keine Energie in die Entwicklung der Samen vergeude. Die Blätter jedoch sollten dringlichst stehen gelassen werden, damit sie qua Photosynthese der Zwiebel ihre Kraft zurückgeben, auf dass sie kommendes Jahr wieder kräftig austreibe.

Das Laub muss tatsächlich erst dann entfernt werden, wenn es gelb und vergilbt darniederliegt. Aber hier schließt sich der Kreis zum Platzproblem mit spätblühenden Tulpen: Wer kann schon so lange damit zuwarten? Der Platz wird doch dringend gebraucht. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 21.3.2014)

Tipp zur Tulpenzwiebel:

Wer es nicht erträgt, dass sich Wühlmäuse an den Zwiebeln laben, kann Tulpen getrost in Tröge und andere Gefäße setzen. Wen die Optik der Gefäße stört, kann diese auch mitsamt den Zwiebeln eingraben.

  • Jetzt, genau jetzt ist die Zeit für Tulpen, für Tulpen in allen Farben, Formen und Facetten.
    foto: apa / daniel karmann

    Jetzt, genau jetzt ist die Zeit für Tulpen, für Tulpen in allen Farben, Formen und Facetten.

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