In Städten ist die ÖVP unter Druck von Neos und Grünen

18. März 2014, 17:59
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Salzburger Wahlanalyse zeigt: FPÖ kann inzwischen Wähler gut halten, der Volkspartei rennen sie davon

Wien - Lokale Wahlergebnisse sind lokal beeinflusste Wahlergebnisse. Das ist das Mantra, das Parteien gerne verbreiten, besonders dann, wenn sie bei einer lokalen Wahl schlecht abgeschnitten haben. Dennoch werden Wahlen gerade in städtischen Bereichen besonders beobachtet - denn in den Städten entstehen neue Wählerschaften mit nichttraditionellen Bindungen. Besonders die ÖVP, die in ländlichen Gemeinden gut punkten kann, wird davon stark betroffen: Zugewanderte vom Land bleiben ihr nicht unbedingt treu, etablierte bürgerliche Wähler wandern ab zu den Grünen oder allenfalls zu neuen Parteien wie den Neos.

In welchem Maße das passiert, ist nun vom Wiener Statistikprofessor Erich Neuwirth am Beispiel der Salzburger Gemeinderatswahl nachgerechnet worden. Neuwirth verwendet dazu die Wählerstromanalyse, die nach statistischen Methoden aufzeigt, wie viele Wähler von einer Wahl zur nächsten ihr Abstimmungsverhalten verändert haben.

Auffallend ist etwa, wie sich die Wählerschaft der Neos zusammensetzt: 28,9 Prozent der Bürgerlisten- (sprich: Grün-) Wähler der vergangenen Wahl haben diesmal Neos gewählt, aber auch jeder fünfte ÖVP-Wähler (genau 20,7 Prozent) der letzten Wahl ist zu den Neos gewandert. (Weitere Teile der Neos-Wählerschaft sind aus im Einzelnen nicht korrekt darstellbaren Wählerströmen.)

Bemerkenswert ist die sogenannte Haltequote: Traditionell war in den 1980er- und 1990er-Jahren die FPÖ hier besonders schwach, Jörg Haider musste immer wieder neue Wähler aus dem roten und schwarzen sowie dem Nichtwählersegment rekrutieren. Die Salzburg-Wahl zeigt dagegen die höchste Haltequote (62,2 Prozent) bei den Freiheitlichen, es folgt die SPÖ und mit Abstand die ÖVP, die ebenso wie die Bürgerliste Stimmen an die Neos abgibt. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 19.3.2014)

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