Glückskekszerschlagung nach Zweisamkeitsbilanz

18. März 2014, 17:59
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Best-Ager-Theater: In Elfriede Hammerls "Kleingeldaffäre" legt eine Frau jenseits der 50 hemmungslos Bekenntnisse ab

Wien - Wer zu lange auf der Toilette bleibt, den bestraft das Leben: In der Bühnenfassung von Elfriede Hammerls Kurzroman Kleingeldaffäre sperrt Regisseurin Karin Koller die namenlose Protagonistin in ein Sushilokal in Bozen. Die Betreiber haben scheinbar auf ihren letzten Gast vergessen und dichtgemacht. Kein Licht, kein Akku mehr.

Mit dieser misslichen Lage findet sich die Dame auf der Durchreise überraschend schnell ab und beginnt völlig unvermittelt zu erzählen. Ein Redeschwall bricht los, ein Monolog über die existenzielle Krise einer Frau jenseits der 50, die die Sinnhaftigkeit ihrer langjährigen Affäre mit einem verheirateten Mann abwägt. Die Glücksbilanz ist vage.

An wen sie vor und auf dem um die Säule gewickelten Running-Sushi-Tisch ihre Rede richtet (Bühne: Gudrun Lenk-Wane), ist unklar. Vermutlich an sich selbst, auch wenn Schauspielerin Doina Weber herzhaft extrovertiert, bisweilen sportlich das Publikum anagitiert.

Sie zerschlägt Glückskekse, tanzt infernalisch und bläst dem herabgelassenen Luster die imaginierten Geburtstagskerzen aus - dies in Erinnerung an ein schäbiges Rendezvous mit G. G - das ist der namenlos bleibende Lover, er könnte Günter, Gustav oder Gregor heißen, und ähnlich unklar ist auch der Wert dieser ungleichen Liebe. Die Frau rekapituliert Szenen ihrer geheimen Liaison, sie spürt manisch den Momenten des Verrats und der heraufdämmernden Entzweiung nach.

Würde diese lustige Dame keine Lesebrille benötigen, so könnte Kleingeldaffäre auch ein aufgekratztes Teenager-Drama über die erste Liebe sein. Das Stück breitet normative Beziehungsprobleme aus und lässt die Hauptfigur schließlich weniger interessant erscheinen als sie vermutlich ist.

Eine gewisse kabarettistische Note (Pointen) sorgt für gemäßigte Unterhaltung. So könnte Sex & the City heute am Off-Broadway ausschauen: Mr. Right ist nicht zu fassen. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 19.3.2014)

Bis 12. April

  • Alles rauslassen, und zwar auch ganz schön viel Text: Doina Weber in "Kleingeldaffaire" im Theater Drachengasse.
    foto: andreas friess

    Alles rauslassen, und zwar auch ganz schön viel Text: Doina Weber in "Kleingeldaffaire" im Theater Drachengasse.

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