Industrie macht mobil gegen EU-Klimaziele

18. März 2014, 17:20
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Die Industrie findet, sie sei zu sehr belastet mit den EU-Klimaplänen. Europa füge sich selbst Schaden zu

Wien/Brüssel - Bei ihrem Gipfeltreffen Donnerstag und Freitag in Brüssel sollten sich Europas Staats- und Regierungschefs nach dem ursprünglichen Plan Länge mal Breite mit der Energie- und Umweltpolitik in der Union befassen. Nun ist der Streit um die Krim dazwischengekommen. Vertreter der Industrie sind gar nicht traurig - im Gegenteil. Wolfgang Eder beispielsweise, Chef des Stahlkonzerns Voestalpine, hofft, dass die Entscheidung über die Klimaziele bis 2030 von der neuen Kommission getroffen werde.

"Wenn die Industrie so hohe Kosten trägt und hinsichtlich des CO2-Ausstoßes technologisch alles ausgereizt ist, dann bleibt nur mehr die Entscheidung zwischen Zahlen und Gehen. Und ich befürchte, dass viele zum Gehen gezwungen sind - sprich Investitionen anderswo vornehmen, nur nicht in Europa," sagte Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung Umwelt- und Energiepolitik in der Wirtschaftskammer Österreich, dem Standard.

Hoffnung

Beim Start des Emissionshandels habe es noch die Hoffnung gegeben, dass Länder wie die USA oder China auf den Zug aufspringen. Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen habe leider gezeigt, dass Europa auf weiter Flur allein ist. Länder wie Russland, Japan oder Kanada fühlten sich nicht mehr an Emissionsobergrenzen gebunden. "Europa fügt sich mit der Vorreiterrolle beim Klimaschutz selbst Schaden zu," sagte Schwarzer.

Schwarzer und auch Voest-Chef Eder spielen auf den Vorschlag der EU-Kommission von Ende Jänner dieses Jahres an, wonach die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 um 40 Prozent (gegenüber dem Basisjahr 1990) sinken sollten. Während Umweltgruppen dieses Ziel als viel zu wenig ehrgeizig kritisieren, kontert Eder mit konkreten Zahlen.

Einen Konzern wie die Voest treffe dies im Zeitraum 2021 bis 2030 mit etwa 230 Millionen Euro pro Jahr. Die Rechnung geht wie folgt: Voest müsste für etwa 50 Prozent der Emissionen Zertifikate kaufen, in Summe etwa 58 Millionen. Bei einem prognostizierten CO2-Preis von 40 Euro je Tonne wären das 2,3 Milliarden für die ganze Periode - 230 Mio. Euro pro Jahr. Das koste Arbeitsplätze.

900 Millionen Sparprogramm

Abgesehen von den Belastungen aus dem Titel CO2 sieht sich die Voest auch weiterhin steigenden Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal konfrontiert - und hat ein permanentes Sparprogramm ausgerufen. Dieses soll in den kommenden drei Jahren in Summe 900 Millionen Euro bringen und ohne Personalkürzungen gelingen. 45 Prozent betrifft laut Eder die Sparte Stahl, der Rest soll in den anderen drei Divisionen eingespielt werden. (Günther Strobl, DER STANDARD, 19.3.2014)

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