Instrumentale Seelenanalyse

18. März 2014, 17:42
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Mozarts "Don Giovanni" im Theater an der Wien mit dem Concentus Musicus

Wien - Blümlein schweben von der Decke herab; Taschenlampen erleuchten jene Don Giovanni suchenden Gesichter in der Dunkelheit. Mitunter wird auch ein Notenpult zornig umgeworfen, während auf der Hintergrundwand all die Figuren von Mozarts Da-Ponte-Opern - in edler Pose abfotografiert - zu sehen sind. Auch wird bei Giovannis Fest ein kollektives Tänzchen riskiert.

Man hat also im Theater an der Wien versucht, diese üppige Operntrilogie, die nach Figaro nun bei Don Giovanni angelangt ist und mit Così fan tutte fortgesetzt wird, semiszenisch zu veredeln. War nicht unbedingt nötig. Jenes musikdramatische, kommunikative Energiefeld, das Dirigent Nikolaus Harnoncourt mit seinem Concentus Musicus zwischen vokaler und instrumentaler Ebene in Permanenz erzeugt, reichte auch, fünf solide Inszenierungen mit Impulsen zu versorgen.

Da hätte es gar nicht jenes lästigen Handys bedurft, das an einer Stelle in die Stille hineinstörte und Harnoncourt womöglich dazu bewog, noch mehr dramatischen Zorn in den anstehenden Akkord reinzuwuchten: Der ewige Mozart-Forscher, der mit Don Giovanni seinerzeit die Salzburger Festspiel-Ära von Peter Ruzicka eröffnete (mit dem lyrischen Thomas Hampson in der Hauptrolle), ist ein intensiver Advokat von Tiefe und Dringlichkeit allen musikalischen Ausdrucks.

Den Damenjäger hetzt er bei Finch'han dal vino ... ins Parlando, während die orchestrale Verdopplung der Melodie in bissiger Prägnanz erstrahlt. Bei Leporellos Register-Arie wird es indes orchestral ganz zierlich und innehaltend wie auch dort, wo Giovanni Zerlina (von tadelloser Leichtigkeit: Mari Eriksmoen) auffordert, ihm das Händchen zu reichen.

Es existiert bei diesem kontrastreichen, Seelenzustände ausleuchtenden Ansatz keine Halbheit, auch dank des Concentus Musicus: Es herrscht Durchhörbarkeit der Stimmen, scharf ist die Akzentuierung. Da sind allerdings eben - trotz aller Entschlackung - auch jene poetischen Überhöhungen, bei denen ein Klang zart wie feinster Goldstaub auf die Bühne geweht wird, um die Melancholie einer Figur zu veredeln.

Gutes Vokalniveau

Die Vokalisten haben gehobenes, nicht jedoch spektakuläres Niveau: Mauro Peter ist in dem ganzen Ausdruckabenteuer, das in Rezitativen zwischen Sprechen und Sprechgesang changiert, ein solider Don Ottavio; Maite Beaumont betört als Donna Elvira mit edler Klangfülle wie auch Mika Kares (als Il Commendatore und Masetto). Christine Schäfer (als Donna Anna) lässt ihr Format bei hohen Tönen aufblitzen; der Rest ist ein mit Glissandi geführter, rätselhafter Kampf um Intonation.

Andrè Schuen ist mit seinem leichten Bariton ein delikat phrasierender Don Giovanni, Ruben Drole (als Leporello) der schwergewichtiger tönende passable Assistent. Großer Applaus. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 19.3.2014)

Vorstellung am 19.3., 19.00; Così fan tutte am 27., 29.3. 19.00

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