Krimineller Kapitalismus

18. März 2014, 17:51
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Im Salzburger Literaturhaus stellt Arne Dahl am Mittwoch seinen neuen Kriminalroman "Neid" vor

Heute kommt mit Arne Dahl einer der erfolgreichsten schwedischen Krimischriftsteller erstmals nach Salzburg; er stellt seinen neuesten Roman Neid (Piper-Verlag) vor. Der Stockholmer (mit Zweitwohnsitz Berlin) hat bereits 18 Bücher veröffentlicht, sich aber nicht immer nur mit Mord, Totschlag, Korruption und anderen Verbrechen beschäftigt. Arne Dahl ist ein Pseudonym, unter seinem bürgerlichen Namen Jan Arnald arbeitete der Literaturwissenschafter für die Schwedische Akademie, die den Nobelpreis vergibt.

1998 legte er als Arne Dahl den ersten Krimi rund um das schwedische A-Team vor, einer Sonderermittlungsgruppe der Polizei mit den Protagonisten Paul Hjelm und Kerstin Holm. Bis 2008 folgten zehn weitere Bücher mit den Charakteren der A-Gruppe, danach plante Dahl ein Romanquartett über eine geheime Europol-Eliteeinheit, Opcop genannt, die unter schwedischer Führung - Paul Hjelm ermittelt wieder - in ganz Europa dem Bösen den Kampf angesagt hat. Drei der vier geplanten Bände sind bisher erschienen: Im Plot von Gier (2012) spielen Mafia, Finanzkrise und Heroin aus Nordkorea eine Hauptrolle, in Zorn (2013) werden Serienkiller rund um den Globus gejagt. Neid beginnt in Amsterdam, wo Opcop einen mutmaßlichen Kapo der Bettlermafia observiert. Derweil trifft Paul Hjelm eine attraktive Französin, die ihn um Hilfe in einem blutigen Kriminalfall bittet: Ein Professor wird auf offener Straße massakriert, und ein blinder Bettler stiehlt dessen Smartphone samt sensibler Daten.

Menschenhandel und das Energiegeschäft sind vordergründig die Hauptthemen des Romans, der in seiner Geschichte Großkonzerne, griechische Neonazis, süditalienische 'Ndrangheta und rumänische Menschenhändler verbindet. Eigentlich aber legt Dahl ein Sittenbild des modernen Kapitalismus vor, dessen Prinzip rücksichtsloser Gewinnmaximierung mitunter die Grenzen zwischen Kapital und Verbrechen, zwischen Gut und Böse verschwimmen lässt.

Mit dieser insgesamt wieder plausibleren Story nähert sich Dahl den Säulenheiligen und Pionieren der Schwedenkrimis, Maj Sjöwall und Per Wahlöö, an. Für das Paar war die implizite Gesellschafts- und Wirtschaftskritik nämlich auch ein zentraler Aspekt der Krimischreiberei. Schwedische und deutsche Lesung (Peter Arp) sowie Gespräch mit Arne Dahl, Moderation: Karin Buttenhauser. (dog, DER STANDARD, 19.3.2014)

Salzburg, Literaturhaus, 0662/42 24 11, 20.00

  • Stellt im Salzburger Literaturhaus seinen neuen Kriminalroman "Neid" vor: Arne Dahl.
    foto: sara arnald

    Stellt im Salzburger Literaturhaus seinen neuen Kriminalroman "Neid" vor: Arne Dahl.

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