Von Kruder bis Unterweger: Prominente über ihr Modeverständnis

Ansichtssache18. März 2014, 16:58
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Über das Vergnügen, seine Hemden selbst zu bügeln, die seltsame Trennung zwischen Herren- und Damenmode, die Vorteile einer richtigen Bomberjacke und die Dresscodes des ORF. Vier prominente Zeitgenossen erzählen über ihr Modeverständnis

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foto: irina gavrich/styling max märzinger

Matthias Herrmann "Meine Hemden bügle ich beim Kaffeetrinken"

Ich trage Anzüge sehr gerne, weiß aber nicht, wie ich sie in meinen Alltag integrieren soll. In einem Anzug fühle ich mich immer ein wenig verkleidet, ich habe ja keinen Bürojob, wo eine Uniform erwünscht wäre. Wenn ich mit dem Fahrrad fahre oder zum Turnen gehe, dann fühle ich mich in einem Anzug einfach overdressed oder kostümiert. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, oft zu salopp gekleidet zu sein. Ich bin gerade 50 Jahre alt geworden und fand es immer schrecklich, wenn sich Leute mit 60 als Berufsjugendliche gerieren.

Früher habe ich nie Krawatten getragen, ich dachte, ich sehe damit wie bei der eigenen Erstkommunion aus. Inzwischen habe ich ein Faible für Krawatten. In meinem Haus auf dem Land erledige ich mitunter die Gartenarbeit in Hemd und Krawatte. Meine Nachbarn lachen sich kaputt, weil sie mich nur in T-Shirts kannten. Aber ich finde, es ist doch das größte Vergnügen, ein Hemd ordentlich zu bügeln, eine Krawatte umzubinden und dann einen Pullover darüber anzuziehen, sodass man das gebügelte Hemd gar nicht sieht.

Meine Hemden bügle ich während des Frühstücks beim Kaffeetrinken. Meist ziehe ich zu den Hemden tief sitzende Jeans oder Khakis an. Viele meiner Anziehsachen habe ich schon sehr lange. Das liegt auch daran, dass ich annähernd die gleiche Figur wie vor 30 Jahren habe.

Bei Anzügen ist meine Lieblingsmarke Hugo von Hugo Boss. Da werden Modekenner sicher aufschreien, aber mir passen die Hugo-Anzüge einfach. Auch beim Dreiteiler von Zegna, den ich auf dem Foto anhabe, musste nur die Hosenlänge geändert werden. Er ist schmal geschnitten, und das Material ist angenehm weich. Mir ist sonst immer alles zu kurz oder zu weit.

Matthias Herrmann (geb. 1963) begann seine Karriere als Balletttänzer, bevor er sich der Fotografie widmete. Er war Professor an der Wiener Bildenden, jetzt ist er im Uni-Rat.

Fotokünstler Matthias Herrmann in Anzug und Schuhen von Zegna, Hemd Cos, Einstecktuch Mühlbauer.

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