Panzerbauer Steyr streicht bis zu 210 Stellen in Wien

18. März 2014, 14:42
117 Postings

Künftig keine Panzerproduktion mehr in Wien, sondern nur mehr Reparatur und Prototyp-Entwicklung: Ein Sozialplan wurde bereits ausverhandelt

Wien - Der angekündigte Jobabbau beim heimischen Panzerbauer Steyr ist nun fix. Die Panzerproduktion am Standort Wien-Simmering wird eingestellt, von 310 Mitarbeitern verlieren 160 bis 210 in den nächsten Monaten ihren Job, bestätigte das Unternehmen am Dienstag. Ein Sozialplan wurde bereits ausverhandelt, vorgesehen sind unter anderem Frühpensionierungen und die Nicht-Verlängerung von befristeten Jobs.

"Aufgrund noch laufender, gesetzlicher Konsultationsprozesse können zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Details genannt werden", heißt es in der Mitteilung von Steyr, Tochter des US-Waffenkonzerns General Dynamics (GD). Aufgrund schwieriger Rahmenbedingungen am europäischen und internationalen Verteidigungsmarkt sei eine Restrukturierung des Unternehmens notwendig. Nach Abschluss des Restrukturierungsprozesses soll der Standort Wien anstatt der Panzerproduktion nur mehr Wartung, Reparatur und Serviceleistungen für SK-105, Ulan- und Pandur-Fahrzeuge anbieten. Außerdem sollen in Wien weiter Prototypen entwickelt und gebaut werden.

In der Aussendung betonte das Unternehmen, "die hohe strategische Bedeutung und Rolle des Standorts Wien innerhalb der europäischen Konzerngruppe sowie gegenüber dem österreichischen Bundesheer und anderer Kunden in Zentral- und Osteuropa". Die General Dynamic-Sparte European Land Systems fertigt neben Wien auch in Deutschland, Spanien und der Schweiz und beschäftigt laut Homepage insgesamt mehr als 2.400 Mitarbeiter.

120 Mitarbeiter beim AMS angemeldet

"Im ersten Schritt" wurden in Wien bereits120 Mitarbeiter beim Frühwarnsystem Arbeitsmarktservice (AMS) zur Kündigung angemeldet, sagte Betriebsrat Manfred Bauer am Freitag. Die Mitarbeiter wurden zuvor über den Stellenabbau informiert. Bauer geht davon aus, dass die Kündigungen im April erfolgen werden, die zweite Kündigungswelle dann im Laufe des Jahres 2014.

Der Betriebsrat macht sich auch Sorgen um den Standort Wien. Laut Unternehmensangaben soll zwar die Wartung der Panzer am Standort in Simmering bleiben. Die Belegschaftsvertreter weisen allerdings daraufhin, dass für die rund 100 Mitarbeiter, die ihren Job behalten sollen, noch kein Konzept vorliegt. Bauer: "Aus meiner Sicht ist der Standort nicht gesichert, auch wenn betont wird, dass die Systemfähigkeit erhalten bleibt."

Laut den Unternehmensangaben hat der Panzerbauer in Wien 310 Mitarbeiter. Dem Betriebsrat zufolge ist aber in den letzten Wochen bereits der Großteil der rund 80 Leiharbeiter abgebaut worden.

Der Rüstungskonzern begründet die Kündigungen mit dem Ausbruch der Finanzkrise, die Staaten hätten die Militärausgaben gekürzt. Für den Betriebsrat ist das aber nur die halbe Wahrheit: Wien hätte seine Panzer Pandur und Ulan in den letzten Jahren de facto nicht mehr anbieten dürfen. Die GD-Sparte European Land Systems habe andere Fahrzeuge forciert, so der Vorwurf. Bei der Steyr-Schwestergesellschaft Mowag baut General Dynamics den Piranha, einen dem Pandur ähnlichen Radpanzer.

"Steyr schreibt seit 2006 rote Zahlen und es ist nichts unternommen worden", kritisiert Bauer. Der Standort sei heruntergewirtschaftet worden, die Chefetage alle zwei Jahre ausgetauscht. Für den Betriebsrat ist es kein Wunder, dass man jetzt vor dieser Situation stehe.

Der Stellenabbau hat sich bereits 2013 abgezeichnet. Ein Sozialplan wurde im Dezember unterschrieben. Demnächst läuft für das Werk in Wien-Simmering ein großer Serienauftrag aus Kuwait für den Radpanzer Pandur aus. Danach fehlt es an größeren Folgeaufträgen. (APA, 18.3.2014)

Share if you care.