"Die haben mein Milan zerstört"

19. März 2014, 17:23
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Der AC Mailand steckt in einer tiefen Krise, Klublegende Paolo Maldini sieht das Werk seiner Generation in Gefahr

Der AC Milan steckt in der größten Krise seiner jüngeren Vereinsgeschichte. Nach der 1:4-Pleite bei Atlético Madrid und dem Aus in der Champions League haben die Klubverantwortlichen bereits Hohn und Spott über sich ergehen lassen müssen. Jetzt meldet sich auch noch die Vereinslegende Paolo Maldini mit einer Generalkritik zu Wort.

"Die haben mein Milan zerstört", sagte der ehemalige Weltklasse-Verteidiger der "Gazzetta dello Sport". "In mir drinnen sind Wut und Enttäuschung, nicht wegen der Ergebnisse, sondern weil ich den Eindruck habe, dass alles weggeworfen wird, was in den vergangenen zehn Jahren mühevoll aufgebaut wurde."

Klublegende

Maldini hatte die beiden vergangenen Dekaden bei Milan geprägt. Beim letzten internationalen Titelgewinn im Jahr 2007 stand er noch selbst für den Klub auf dem Platz. Gemeinsam mit weiteren Stars im Herbst ihrer Karriere wie Alessandro Nesta und Clarence Seedorf besiegte der damals 38-Jährige den FC Liverpool im Finale der Champions League mit 2:1. Das Durchschnittsalter der siegreichen Elf betrug 30,7 Jahre.

Der nötige Generationswechsel gestaltete sich in der Folge nicht immer einfach, in der Champions League schaffte es Mailand nur noch einmal ins Viertelfinale, sonst war immer im Achtelfinale Schluss. Auf nationaler Ebene holte der Klub zumindest 2011 noch einmal den Meistertitel. Insgesamt gewannen die Rossoneri 18-mal den Scudetto.

Diese ruhmreiche Vergangenheit verblasst nun zusehends angesichts der gegenwärtigen Misere. Zum Weihnachtsfest rangierte Milan nur auf Rang 13, folglich löste Seedorf im Jänner Meistermacher Massimo Allegri als Trainer ab. Doch auch unter Seedorf dümpelt Milan im Mittelfeld der Tabelle, steht auf Platz elf in der Serie A und ist in der Champions League wieder im Achtelfinale gescheitert. Die Champions-League-Qualifikation ist in Anbetracht von 23 Punkten Abstand auf den Drittplatzierten SSC Neapel nicht mehr zu erreichen, und auch die in Italien wenig geschätzte Europa League liegt zwölf Punkte entfernt (Platz fünf).

Berlusconi-Tochter als Chefin

Kein Wunder, dass da bei Maldini, der mit den Mailändern zweimal den Europacup der Landesmeister und dreimal die Champions League gewonnen hat, die Alarmglocken schrillen. Er klagt vor allem über die Führungsstruktur im Verein um Vizepräsidentin Barbara Berlusconi. Über die Tochter des Milan-Patrons, die seit November neben Adriano Galliani das Sagen im Klub hat, sagt Maldini: "Ich glaube nicht, dass sie von Fußball und Fußballern Ahnung hat."

Vereinsbesitzer Silvio Berlusconi selbst soll laut italienischen Medien nun doch Klubanteile verkaufen wollen. Angeblich verhandelt Italiens ehemaliger Regierungschef bald mit arabischen Investoren. Zuvor hatte bereits das Gerücht die Runde gemacht, der 77-Jährige habe eine amerikanische Agentur mit der Suche nach Käufern beauftragt. (APA/sid, 18.3.2014)

  • Blickt sorgenvoll auf seinen AC Milan: Klublegende Paolo Maldini.
    foto: reuters/rellandini

    Blickt sorgenvoll auf seinen AC Milan: Klublegende Paolo Maldini.

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