Zukunft Zwei-Personen-Haushalt: Wie die Menschen leben

18. März 2014, 18:30
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Wie werden wir im Jahr 2030 leben? Alleine? Zu zweit? Die Studie "Unter einem Dach" zeigt auch die künftige Entwicklung der Haushalte in Europa

Mann und Frau, eher keine Kinder, gemeinsam in einem Haushalt - so sehen Forscher die typische Familie im Jahr 2030. Eine neue Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung für den deutschen Marktforschungs-Thinktank GfK Verein geht der Frage nach, wie wir in Zukunft leben werden. 86 Länder aller Kontinente wurden für "Unter einem Dach" erforscht, 23 davon detailliert - die Ergebnisse fußen auf allen verfügbaren Datenbanken.

Ein Ergebnis: Der Großteil der Menschen wird im Jahr 2030 nicht alleine, sondern eher in Zwei-Personen-Haushalten leben. Ein Grund dafür ist die steigende Lebenserwartung der Männer, wodurch es viel mehr ältere Paare geben wird als heute. Es gibt auch pragmatische Gründe für die Zweisamkeit: Wer alleine lebt, lebt eigentlich teuer. Ein-Personen-Haushalte haben die höchsten Kosten im Basisbereich, also bei Miete, Energie, Mobilität und der Anschaffung von Haushaltsgeräten.

An Geburtenrate gewöhnt 

In Deutschland seien die Menschen außerdem an die niedrigen Geburtenraten seit den 1970er-Jahren gewöhnt, sagt Ronald Frank, zuständig für Studien beim GfK Verein. "Es gibt nicht mehr viele Kinder - fertig! Die Zuwanderungsquoten, die es bräuchte, um das zu kompensieren, würde niemand akzeptieren. Das ginge politisch nicht durch."

Im Vergleich mit Österreich macht Frank ein paar Unterschiede aus. Der durchschnittliche Haushalt etwa sei in Österreich größer als in Deutschland: In Österreich leben 36 Prozent in Drei- und Mehr-Personen-Haushalten, in Deutschland sind es nur 25 Prozent. Frank: "Das heißt, es leben in Österreich weniger Menschen alleine als in Deutschland - und das bei einer ähnlichen Altersstruktur, einer ähnlichen sozioökonomischen Entwicklung. Die Kultur ist ein bisschen anders, ich würde da Österreich zwischen Deutschland und Italien sehen. Nicht nur geografisch."

Unterschiedliche Familienkultur

Je weiter im Norden, desto kleiner werden die Haushalte. "Das hat aber nicht nur mit dem hohen Anteil alter Menschen zu tun. Es geht auch um unterschiedliche Kulturen - Stichwort Selbstverwirklichung versus soziales Miteinander", sagt Frank. Letzteres sei eher in Südeuropa ausgeprägt: "Italien hat zwar die geringste Geburtenquote Europas, trotzdem leben dort nicht so viele Menschen alleine wie in Skandinavien."

Ein Kriterium für größere Familien ist auch der Wohnungsmarkt: In Italien ist der meiste Wohnraum Eigentum - also teuer. Zusätzlich existiere eine unterschiedliche Familienkultur, meint der Marktforscher: "Die Verantwortung für junge Erwachsene wird immer noch in der Familie gesehen. Wenn ich 20 oder 30 Jahre alt bin, muss ich daher nicht unbedingt ausziehen. Die Familie ist nach wie vor bereit, sich um mich zu kümmern."

Wohlstand und Kinderzahl

Mit guter ökonomischer Entwicklung und steigendem Wohlstand sinken die Kinderzahl und die Zahl der Haushalte insgesamt. Die Bevölkerung wird älter, und der Anteil der Menschen, die in Ein- oder Zwei-Personen-Haushalten leben, nimmt deutlich zu.

"Mit steigendem Wohlstand werden Kinder weniger notwendig zum Überleben, als Absicherung im Alter. Schauen Sie sich die Familien in Deutschland vor 200 Jahren an: Da gab es in vielen Familien noch fünf oder mehr Kinder", sagt Frank. Dieser Trend könne heute auch in Teilen Afrikas festgemacht werden, wo die Kinderanzahl von fünf auf drei gesunken ist.

Was Schrumpfhaushalte kaufen

Die Industrie hat auf die Schrumpfhaushalte längst reagiert, sagt Frank: "Für uns als Markt- und Konsumforscher ist es natürlich wichtig zu wissen, wie die Menschen leben. Von der Haushaltsform hängen ja viele Dinge ab, die benötigt oder gekauft werden. Ein Beispiel: Leben zwei Menschen zusammen, gibt es Synergieeffekte. Zwei Menschen brauchen nicht doppelt so viele Haushaltsgeräte und kaufen auch nicht um 200 Prozent mehr Lebensmittel ein."

Festzustellen sei das in unterschiedlichen Bereichen: Haushaltsgeräte müssen kleiner werden. "In einem Ein-Personen-Haushalt brauchen Sie keine Waschmaschine mit acht Kilogramm Fassungsvermögen. Das ist ein Blödsinn. Im Kühlbereich gilt das Gleiche. Jemand, der alleine lebt, braucht kein 100-Liter-Gefrierfach." Frank prognostiziert, dass sich diese Entwicklung noch deutlich verstärken wird. Auch bei Lebensmitteln würden immer kleinere Packungen angeboten. Zum selben Preis? Frank: "Da haben Sie recht. Da muss der Verbraucher schon aufpassen." (Peter Mayr, derStandard.at, 18.3.2014)

  • Haushaltstechnisch ist Österreich anders, sagt Marktforscher Ronald Frank: "Es leben in Österreich weniger Menschen alleine als in Deutschland – und das bei einer ähnlichen Altersstruktur."

    Haushaltstechnisch ist Österreich anders, sagt Marktforscher Ronald Frank: "Es leben in Österreich weniger Menschen alleine als in Deutschland – und das bei einer ähnlichen Altersstruktur."

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