Vorwürfe gegen türkische Polizei

18. März 2014, 10:34
4 Postings

Beamter soll gezielt auf Berkin Elvan geschossen haben

Istanbul/Ankara - Nach dem Tod des Jugendlichen Berkin Elvan, der in der vergangenen Woche neue Proteste in der Türkei ausgelöst hatte, sind neue Vorwürfe gegen die Polizei aufgetaucht. Wie türkische Medien am Dienstag berichteten, warf ein Augenzeuge der Polizei vor, aus einer Entfernung von 15 bis 20 Metern mit einem Tränengasgewehr gezielt auf den damals 14-jährigen Jungen in Istanbul geschossen zu haben.

Der Augenzeuge Özgür Karagöz sagte auf Initiative des Anwalts der Familie Elvan bei der Staatsanwaltschaft aus, die den Tod des Jugendlichen untersucht. Nach Aussagen des Augenzeugen hatte der Beamte, der auf Berkin Elvan schoss, blonde Haare und trug eine Gasmaske. Der Jugendliche habe den Polizisten zugerufen, sie sollten nicht schießen, er wolle nur Brot kaufen.

Neue Unruhen nach Tod von Berkin Elvan

Berkin Elvan war während der Gezi-Proteste im Juni des vergangenen Jahres von einer Tränengasgranate der Polizei am Kopf getroffen worden und in der vergangenen Woche nach monatelangem Koma im Krankenhaus gestorben. Die Nachricht von seinem Tod löste neue Straßenschlachten zwischen regierungskritischen Demonstranten und der Polizei in Istanbul sowie in weiteren Städten des Landes aus. Dabei starben erneut zwei Menschen.

Elvans Familie hatte stets betont, ihr Sohn sei als Unbeteiligter in Auseinandersetzungen zwischen Gezi-Demonstranten und der Polizei geraten, als er auf dem Weg zum Bäcker war. Dagegen hatte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan das Vorgehen der Polizei gerechtfertigt und den Jugendlichen in die Nähe von Terroristen gerückt. In dem Fall sind mehrere Polizisten vernommen worden, eine Anklage gibt es bisher aber nicht. (APA, 18.3.2014)

Share if you care.