Erdölsuche vor den Urlaubsparadiesen

18. März 2014, 05:30
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Spanien widmet sich wieder alten Energien und lässt vor den Balearen und den Kanarischen Inseln nach Öl bohren

Nach einem Jahrzehnt an der Spitze Europas bei Erneuerbaren widmet sich Spanien wieder alten Energien. Statt auf Wind und Sonne setzt die konservative Regierung unter Mariano Rajoy auf Erdöl. Ausgerechnet dort, wo jährlich Millionen Touristen ihren Strandurlaub verbringen, soll gebohrt werden.

Sowohl vor den Kanaren als auch vor den Balearen warten Branchenriesen auf die Genehmigung, um die Suche aufzunehmen. Das Industrieministerium hat sein Okay bereits gegeben. Dass Selbiges auch vom Umweltministerium kommen wird, bezweifelt niemand. Ein Konsortium aus der spanischen Erdölgesellschaft Repsol, Woodside Energy (Australien) und der RWE (Deutschland) will im Sommer vor den Kanaren mit den Untersuchungen beginnen. Und vor den Balearen steht Capricorn, eine Tochter der schottischen Cairn Energy, in den Startlöchern.

In einem ersten Schritt sollen mittels Schalles Erdöllager unter dem Meeresboden aufgespürt werden. Bei der sogenannten seismischen Untersuchung werden Explosionen verursacht, deren Stärken einem Sprengsatz von 30 bis 100 Kilogramm Dynamit entsprechen. Die vom Meeres-grund zurückgeworfenen Schallwellen werden analysiert. Umweltschutzorganisationen und Fischereiverbände befürchten den Rückgang der Meeresfauna.

Viele Arten könnten aus den Gebieten flüchten oder durch den Schall schwer geschädigt werden. "In den betroffenen Gebieten wird der Fischfang um bis zu 70 Prozent zurückgehen", prophezeit die für Meeresbiologie zuständige Spezialistin der Umweltorganisation Ecologistas ein Acción, Angeliki Lysimachou. Insgesamt sind auf den Kanaren und den Balearen 20.000 Quadratkilometer von diesen Untersuchungen bedroht.

Angst um den Tourismus

Auf den Inseln selbst fürchten Bürger und Regionalpolitik um den Tourismus, sobald Erdöl gefördert wird. Auf der Baleareninsel Ibiza gingen Ende Februar 12.000 Menschen gegen die Erdölförderung auf die Straße. Selbst die Regionalpolitiker von Premier Rajoys konservativem Partido Popular stellen sich gegen das Vorhaben. Es war die größte Demo auf der Insel.

Auch auf Lanzarote, der Kanareninsel, die jenem Gebiet am nächsten liegt, das Repsol und Co ausbeuten wollen, machen die Bürger mobil. Sie fürchten um den Tourismus - obwohl die Erdölindustrie gut bezahlte Arbeitsplätze und Reichtum für die Inseln verspricht. 140.000 Barrel könnten bald täglich gefördert werden, und das 20 Jahre lang, verspricht Repsol. Das Unternehmen mahnt zur Eile. Auch Marokko und Mauretanien suchen nach Öl in ihren Hoheitsgewässern nächst den Kanaren. Größere Vorkommen wurden rund um die Inseln bis jetzt aber nicht gefunden.

Die Regierung der Kanarischen Inseln will die Erdölsuche stoppen und fordert ein Referendum mit der Frage: "Sind sie mit der Genehmigung der Erdölsuche durch die multinationale Repsol vor den Küsten unserer Inseln einverstanden?" Bis auf Rajoys Partido Popular unterstützen alle im Regionalparlament eine Bürgerbefragung. Aus Madrid freilich kommt ein klares Nein. Das sei kein regionalpolitisches Thema und daher verfassungswidrig. (Reiner Wandler aus Madrid, DER STANDARD, 18.3.2014)

  • Bohrtürme könnten den Ausblick von den Stränden spanischer Inseln bald verstellen.
    foto: epa/sellart

    Bohrtürme könnten den Ausblick von den Stränden spanischer Inseln bald verstellen.

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