Kleine Siege

Ansichtssache17. März 2014, 18:03
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Täter des indonesischen Völkermords der Jahre 1965 und 1966 spielen ihre Mordtechniken und Massaker vor der Kamera nach

foto: arte

Den Oscar hat der Dokumentarfilm "The Act of Killing" nicht bekommen. Der amerikanische Regisseur Joshua Oppenheimer nahm's gelassen hin. Er fühle sich, als habe er den Preis gewonnen, sagte Oppenheimer im "Guardian": "Der Film hat einige Veränderungen in Indonesien ausgelöst, von der wir bis vor drei Jahren nicht zu hoffen gewagt hätten."

Mit einem Film die Wirklichkeit zu verändern, das gelingt nicht vielen. "The Act of Killing", Dienstag um 23 Uhr auf Arte, spielt mit der Verschiebung von Realem und Fiktion. Oppenheimer bat Täter des indonesischen Völkermords der Jahre 1965 und 1966, ihre Mordtechniken und Massaker vor der Kamera nachzuspielen.

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1965 wurde die Regierung vom Militär gestürzt. Wer sich widersetzte, lief Gefahr, als Kommunist angeklagt zu werden. In weniger als einem Jahr wurden mehr als eine Million Menschen ermordet. Die Verbrechen sind ungesühnt, die Mörder niemals verurteilt, ganz im Gegenteil. Sie stolzieren in Oppenheimers Film herum, gebärden sich als Stars und sind sich keiner Schuld bewusst.

In den Szenen sind sie mit vollem Eifer bei der Sache, wenn es darum geht, Folter und Mord möglichst realistisch nachzustellen, oder wenn sie über ihr brutales Vorgehen zu erzählen. Rache würden die Hinterbliebenen gern üben, sagt ein Folterer in einer inszenierten Talkshow gut gelaunt. "Aber sie haben keine Chance dazu!"

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Dasselbe Militär kontrolliert Indonesien bis heute und hat die Massentötungen eisern verschwiegen. Erst durch die internationale Aufmerksamkeit nach dem Film sah sich das Regime zu einer Stellungnahme gezwungen. Diese fiel wenig einsichtig aus, doch für Oppenheimer ist selbst das ein Erfolg. (Doris Priesching, DER STANDARD, 18.3.2014)

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