Das Moos, das aus der Kälte kam

17. März 2014, 18:52
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Ganz schön zäh: Forscher erweckten eine Pflanze zum Leben, die mehr als 1500 Jahre im antarktischen Permafrostboden konserviert war

Cambridge - Mehr als 1500 Jahre eingeschlossen und konserviert im antarktischen Permafrostboden, aufgetaut und wieder zum Leben erweckt: Was wie ein Science-Fiction-Szenario klingt, ist in Wirklichkeit eine aktuelle Entdeckung britischer Wissenschafter. Wie sie im Fachmagazin "Current Biology" berichten, können Moose offenbar sehr lange Zeiträume in gefrorenem Zustand überleben. Die Forscher um Peter Convey vom Polarforschungsprogramm British Antarctic Survey (BAS) untersuchen bereits seit längerem konservierte Polarmoose, um Informationen über vergangene Umwelt- und Klimabedingungen zu sammeln.

Aus Pflanzenproben aus dem polaren Permafrostboden lassen sich Wachstumsraten für lange Zeiträume errechnen, die wiederum Aufschluss über den Wandel der Lebensbedingungen der Pflanzen geben können. Eine solche Probe, entnommen aus gut einem Meter Tiefe einer moosreichen Region auf der subantarktischen Insel Signy Island, versetzte die Forscher nun in Staunen.

Wachstum nach wenigen Wochen

Das Moos der Art Chorisodontium aciphyllum, das zum Zeitpunkt der Einfrierung bereits mehrere Jahrzehnte alt gewesen sein dürfte, ließ sich mit sehr einfachen Mitteln wieder zum Leben erwecken. In einem Inkubator simulierten die Wissenschafter im Labor einen Tagesrhythmus mit etwa null Grad Celsius Nachttemperatur und 20 Grad Tagestemperatur. Bereits nach wenigen Wochen begann das Moos wieder zu sprießen. Die eigentliche Überraschung brachte aber die Radiokarbondatierung: Die Pflanze weist demnach ein respektables Alter von 1530 bis 1700 Jahren auf.

Zwar war schon zuvor bekannt, dass Moose unter extremen Umweltbedingungen überleben können - bisherige Untersuchungen hatten dies aber nur für Zeiträume von wenigen Jahrzehnten nachgewiesen. Die Überlebensfähigkeit im gefrorenen Zustand über einen derart langen Zeitraum kennt man bis dato nur von Mikroben. Für die Pflanzen in Polarregionen ist das lang genug, um auch Eiszeiten unbeschadet zu überstehen.

Moose spielen in polaren Ökosystemen eine zentrale Rolle. Die wichtigen CO2-Speicher stellen in vielen Regionen die dominanten Pflanzenarten, da sie auch bei niedrigen Temperaturen effektiv Fotosynthese betreiben können. (David Rennert, DER STANDARD, 18.3.2014)

  • Revitalisierte Probe der über 1500 Jahre alten Pflanze Chorisodontium aciphyllum.
    foto: british antarctic survey

    Revitalisierte Probe der über 1500 Jahre alten Pflanze Chorisodontium aciphyllum.

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