Pariser Auto-Erlass wieder aufgehoben

17. März 2014, 17:56
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Deutlich weniger Verkehr am Montag, Feinstaubwerte stark gesunken

Viele Autobesitzer in der französischen Hauptstadt entdeckten derzeit die Zahlen- und Buchstabenfolge auf ihrem Nummernschild. Sie entschied am Montag darüber, wer sich hinter das Steuer setzen durfte: Gerade blieb in der Garage, ungerade durfte verkehren. Die französische Regierung reagierte damit auf eine tagelange Luftverschmutzung im Großraum Paris sowie in einzelnen Provinzstädten.

Die meisten Hauptstadtbewohner hielten sich an den Erlass, der eine Ausnahme für Elektro- und Hybridwagen, Taxis und Autos mit drei oder mehr Passagieren vorsah. Die Staus, die an normalen Werktagen 250 Kilometer Gesamtlänge erreichen, beliefen sich um acht Uhr morgens auf 90 Kilometer. Öffis waren wie schon in den Vortagen gratis, der Andrang in den Vorortszügen hielt sich allerdings in Grenzen. Viele Berufspendler arbeiteten wohl von zu Hause aus - wenn überhaupt.

Unpopuläre Ökoübung

Für Dienstag hat die Regierung die Order wieder aufgehoben. Die Feinstaubbelastung sank am Montag teilweise unter die Toleranzgrenze von 50 Mikrogramm; verantwortlich dafür waren allerdings nicht so sehr die ausgedünnten Autokolonnen, sondern die Witterungsverhältnisse mit mehr Wind und tieferen Temperaturen.

Die rot-grüne Regierung war froh, die unpopuläre Ökoübung wieder abblasen zu können. Sie hatte mit der Anordnung tagelang zugewartet und war dafür von Umweltschützern hart kritisiert worden. Am Wochenende sind in Frankreich Gemeindewahlen, und die Regierung befürchtet, dass aufgebrachte Autofahrer die Regierung abstrafen könnten. Sogar Umweltminister Philippe Martin machte sich zum Sprachrohr der Autofahrer. "Wir haben vollstes Verständnis für ihre Schwierigkeiten, Ärgernisse, ja Wutausbrüche", erklärte Martin. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 18.3.2014)

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