Prinzenrolle in Neuschwanstein

17. März 2014, 17:46
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Wiener Staatsballett glänzt in Nurejews "Schwanensee"

Wien - Es ist das Ballett schlechthin. Jeder kennt es. Schwanensee gilt als die Krönung des romantischen Balletts, was nicht zuletzt an Tschaikowskis grandioser Musik liegt. Es gibt auch zahlreiche Versionen des Klassikers, und das Wiener Staatsballett unter Manuel Legris wählte die Bearbeitung von Rudolf Nurejew. 1964 hatte sie, mit Nurejew als Prinzen und Margot Fonteyn als Odette/Odile, an der Staatsoper Premiere.

Zwar gab es bei der Premiere am Sonntag keine 69 Vorhänge wie einst, aber Schwanensee funktioniert auch heute allemal. Nurejew wertete die Rolle des Prinzen ordentlich auf und ließ auch kein Happy End zu. Kostüme und Bühnenbild mussten allerdings erneuert werden, weil die Nutzungsrechte der früheren Fassung abgelaufen sind.

Ein Glücksfall, denn nun zeichnete Luisa Spinatelli dafür verantwortlich. Sie schafft es mit den Farben Blau und Türkis eine luftige, angenehme Atmosphäre zu schaffen. Tutus fehlten natürlich nicht - doch auch diese waren zeitgemäß. Ebenso gelang das mit reduzierten blauen Stoffbahnen, auf die ein nächtlicher Sternenhimmel projiziert wurde. Nur im dritten Akt wurde es etwas prunkvoller: Da assoziierte Spinatelli Schloss Neuschwanstein von Bayernkönig Ludwig II. Konkret dargestellt wird es aber nicht.

Gemeinsam mit der schlichten und fast requisitenfreien Bühne entstand ein moderner Rahmen für das Ballett, unterstützt von der Lichtregie Marion Hewletts. Durch diese Zurücknahme der optischen Ausgestaltung werden allerdings die Schwächen in der technisch anspruchsvollen Choreografie Nurejews deutlicher. Während die Gruppenszenen interessante, dynamische Bilder liefern, ist die Entwicklung von Siegfrieds Annäherung an Odette etwas undifferenziert. Nurejew selbst war wohl auch nicht ganz damit zufrieden und hat daher zwanzig Jahre später in Paris eine grundlegend neue Fassung des Stückes erarbeitet.

Das Wiener Staatsballett überzeugte wieder einmal auf Topniveau mit hoher Präzision und Energie. Sehr intensiv Olga Esina als Odette/Odile. Leider verletzte Esina sich am Ende des dritten Aktes; dennoch tanzte sie bis zum Aufführungsende. Etwas enttäuschend Vladimir Shishov, der unter seinen Möglichkeiten blieb und zu sehr posierte. Sehr dynamisch Eno Peci als Rotbart, oder Alice Firenze und Mihail Sosnovschi als ungarische Tänzer.

Der Kontrast zu der altmodischen, überladenen Balldarstellung im kürzlich aufgeführten Dornröschen könnte größer nicht sein, und zeigt exemplarisch, wie gut ein solches Ballett des Spätbürgertums mit geeigneten Mitteln in das 21. Jahrhundert überführt werden kann. Alexander Ingram leitete das Orchester der Staatsoper, ließ es aber gelegentlich an feineren Nuancen fehlen. (Barbara Freitag, DER STANDARD, 18.3.2014)

Nächste Termine: 20., 21., 28.3.

  • Zauberer Rotbart (Eno Peci) und Odette/Odile (Olga Esina).
    foto: apa/hans punz

    Zauberer Rotbart (Eno Peci) und Odette/Odile (Olga Esina).

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