Fridman kauft Öltochter von RWE

17. März 2014, 17:22
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Eine Investorengruppe um Milliardär Fridman sichert sich die Öl- und Gastochter der RWE. Rosneft steigt bei Pirelli ein

Düsseldorf/Mailand/Moskau - Vor dem Hintergrund eines Nervenkriegs zwischen Moskau und Brüssel wegen der Abspaltung der Halbinsel Krim von der Ukraine sollen auf wirtschaftlichem Gebiet Nägel mit Köpfen gemacht werden. Neben Russland ist in dem einen Fall Deutschland, in dem anderen Italien involviert.

So will der angeschlagene Energiekonzern RWE seine Öl- und Gasfördertochter Dea an eine Investorengruppe unter der Führung des russischen Milliardärs Michail Fridman verkaufen. Der in Luxemburg ansässige Investmentfonds LetterOne wolle inklusive Schulden 5,1 Mrd. Euro für das Unternehmen mit Sitz in Hamburg hinblättern.

Bundesregierung prüft

Vor dem Hintergrund der Krim-Krise dürfte die Transaktion auch von der Politik genauer unter die Lupe genommen werden. RWE hat Berlin informiert, erwartet aber nach eigenen Angaben von dort keine Ablehnung. Den Essener Versorger drücken Schulden von mehr als 30 Milliarden Euro.

Die Dea-Zentrale in Hamburg soll erhalten bleiben. Dea hat weltweit rund 1400 Beschäftigte. Von den etwa 1000 Mitarbeitern in Deutschland sind die meisten in Hamburg tätig. Die Verhandlungen hätten 2013 begonnen, als es noch keine Krim-Krise gab, sagte ein Insider.

RWE will den Verkauf im Laufe des Jahres unter Dach und Fach bringen. Vor Abschluss seien noch einige Details zu klären. Auch der Aufsichtsrat und die Behörden in mehreren Ländern müssen noch zustimmen.

Der unter der Energiewende leidende RWE-Konzern hatte Dea 2013 zum Verkauf gestellt. Die Gruppe um Fridman hat dem Vernehmen nach das höchste Angebot vorgelegt. Im Rennen waren auch die BASF-Tochter Wintershall, der ungarische Öl- und Gaskonzern Mol sowie ein Konsortium um den Finanzinvestor KKR mit Kufpec aus Kuwait.

RWE will mit dem Verkauf nicht nur die klamme Kasse füllen, sondern auch Investitionen sparen. Das Geschäft von Dea ist kapitalintensiv, die Gewinne fließen zum Teil erst Jahre später.

"Diese Vereinbarung ist ein wichtiger Meilenstein in der strategischen Weiterentwicklung von RWE", sagte Konzernchef Peter Terium. "Darüber hinaus ist sie ein weiterer wesentlicher Schritt zur Stärkung der Finanzkraft unseres Unternehmens." LetterOne wolle Dea als Plattform für die künftigen Öl- und Gasaktivitäten der Gruppe ausbauen. Dies stärke die Rolle von Dea als zuverlässiger deutscher Öl- und Gasproduzentin mit stärkeren internationalen Wachstumsaussichten als bisher.

Dea hält Anteile an rund 190 Öl- und Gaslizenzen in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika. 2013 fuhr die Tochter einen Betriebsgewinn von 521 Millionen Euro ein - etwa ein Zehntel des Konzernergebnisses. Im Kaufpreis sind Schulden von rund 600 Millionen Euro enthalten.

Ölriese mit Reservereifen

In Italien macht unterdessen Rosneft von sich reden. Der russische Ölriese sichert sich 13 Prozent an Pirelli und wird wichtigster Einzelaktionär des Reifenherstellers. Rosneft zahlt für Pirelli gut 500 Mio. Euro in bar und übernimmt zusätzlich Schulden in Höhe von rund 250 Millionen.

Öffentlich gemacht wurde der Deal von den Banken Intesa und UniCredit, die ebenfalls zu den neuen Eignern zählen. Demnach hält Rosneft die Hälfte an einer neuen Dachgesellschaft, der insgesamt 26,2 Prozent an Pirelli gehören. RWE-Titel legten an der Börse zu, Pirelli-Papiere zählten zu den Verlierern. (Reuters, stro)

Ob in der Nordsee (im Bild eine Plattform ebendort) oder anderswo: Künftig soll auf russische Rechnung nach Öl gebohrt werden. Foto: EPA

 

(DER STANDARD, 18.3.2014)

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