Warum will die EU ein Freihandelsabkommen mit den USA?

18. März 2014, 13:41
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Es geht vor allem um Erleichterungen für den Zugang zu den Märkten des Partners und um Milliarden, die die Wirtschaft durch das Abkommen spart

"Warum will die EU unbedingt ein Freihandelsabkommen mit den USA abschließen?", will User 1000 Kopfläuse können nicht irren wissen.

Das Gespräch über das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA geht heuer in die vierte Runde, es dauert mittlerweile ein dreiviertel Jahr an. Am Montag trafen sich der europäische Chefunterhändler Ignacio Garcia Bercero und sein amerikanischer Kollege Dan Mullaney in Brüssel. Ein Durchbruch wird nicht erwartet, erst im ersten Halbjahr 2015 sollen Details geklärt werden.

Mit dem Transatlantischen Handels- und Investionsabkommen (TTIP) wollen die EU und die Vereinigten Staaten von Amerika die größte Freihandelszone weltweit schaffen. Durch das Abkommen erhofft man sich eine Schaffung von Arbeitsplätzen und Wachstum auf beiden Seiten des Atlantiks. Außerdem spart die Wirtschaft Milliarden durch den Fall von Zöllen. So sind die Prozentsätze der Zölle zwischen den USA und der EU schon sehr gering, sie liegen durchschnittlich zwischen fünf und zehn. Pro Jahr werden aber Waren im Wert von einer halben Billion Euro über den Atlantik bewegt. 2010 haben europäische Chemieunternehmen für Exporte in die Vereinigten Staaten fast 700 Millionen Euro gezahlt, die USA führte eine Milliarde Euro nach Brüssel ab. Zudem gibt es  weniger Bürokratie für mittelständische Unternehmen, wenn keine Zölle mehr vorhanden sind.

Ein nicht unwesentlicher Hintergedanke der USA dürfte auch der geopolitische Vorteil sein. In einer Einschätzung über die Weltlage im Jahr 2030 schlussfolgerte Amerikas National Intelligence Council (Nationaler Geheimdienstrat), dass heutige Schwellenländer in Asien, Afrika und Südamerika gemeinsam mächtiger sein werden als der Westen. Noch ein paar Jahre später werde China allein an den USA und der EU vorbeigezogen sein.

Gerade Chinas Aufstieg sieht die USA als Bedrohung, nicht nur ökonomisch, auch ideologisch. Vor diesem Hintergrund scheint es nicht überraschend, dass die Verhandlungen über das transatlantische Freihandelabkommen (TTIP) mit der EU plötzlich weit oben stehen auf der Agenda von US-Präsident Barack Obama. Sicher geht es ihm dabei um das Wohl der US-Wirtschaft, wenn die Warenausfuhr nach Europa leichter wird. Denn das Außenhandelsdefizit liegt trotz positiver Tendenz immer noch bei 471,5 Mrd. Dollar (347,4 Mrd. Euro) pro Jahr. Sein Ziel, zwischen 2009 und 2014 die amerikanischen Exporte zu verdoppeln, wird Obama kaum erreichen.

Falls sich die USA und die EU für das Abkommen und somit eine noch engere Handelsbeziehung entschieden, würde ein Wirtschaftsraum mit mehr als 800 Millionen Einwohnern entstehen. Das gemeinsame Abkommen würde die Wettbewerbsfähigkeit der beiden Handelspartner gegenüber aufstrebenden Schwellenländern erhöhen. (red, derStandard.at, 18.3.2014)

  • Die beiden TTIP-Chefverhandler Ignacio Garcia Bercero (EU, links) und Dan Mullaney (USA).
    foto: epa/olivier hoslet

    Die beiden TTIP-Chefverhandler Ignacio Garcia Bercero (EU, links) und Dan Mullaney (USA).

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    foto: derstandard.at/von usslar

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