Bauers Drama der vier Menschen

17. März 2014, 17:50
posten

"Magic Afternoon" in einer Inszenierung von Viktoria Pichler am Landestheater Linz

"Ist das Wasser oder Wodka?", dröhnt es aus den Boxen: Charly und Joe haben es beantwortet und lassen sich besoffen und bekifft zum Song der Band Mittekill durch den Raum tragen. Waren es bei Bauer 1968 noch die Beatles und Wilson Picket, zu denen getanzt und geschubst wurde, setzt Viktoria Pichler in Wolfgang Bauers Magic Afternoon dessen Idee von inhaltlosen, aber identitätsstiftenden Insignien einer populären Kultur hier mit Clubmusik um.

Zwei Paare also und ein Sommernachmittag, den man totschlagen und vertreiben muss - mit Demütigungen, Gewaltausbrüchen, Alkohol, Drogen und schließlich Mord: Dieser passiert einfach wie alles andere auch in diesem Zimmer, das Sanne Danz als gelben Raum darstellt, der sich nach hinten verengt und die Schauspieler also zwingt, Körperhaltung und Bewegungen dem anzupassen - Bauers Vorstellung einer "nervösen Unordnung" im Fokus. Vor allem Gunda Schanderer als Birgit bespielt jeden Zentimeter, ihr Stil ist kraftvoll. Ebenso zeigt Barbara Novotny als Monika Wandlungsfähigkeit. Markus Subramaniam (Charly) und Christian Manuel Oliveira (Joe) geben Postpubertierende, in Unsicherheit und Eitelkeit gefangen. Sie wolle "keine Trashnummer anno '68", so die Regisseurin. Diese Abgrenzung ist deutlich, Pichler entledigt sich streckenweise der Präsenz und Geschichte des Autors, aus Bauers "großer Bücherschlacht" ("Scheiß-Dürrenmatt!") wird ein "Fallenlassen" von Wittgensteins Tractatus logico-philosophicus. (wkh, DER STANDARD, 18.3.2014)

Share if you care.