Stauraum für den Tod: Zu Besuch im Logistikcenter der Bestattung

Ansichtssache17. März 2014, 14:40
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Wien - Auch der Tod braucht Stauraum: Zig Paletten mit Hunderten Ober- und Unterteilen von Holzsärgen lagern - verteilt auf drei Etagen - in einem unscheinbaren Gebäude in Simmering. Der neue Bau unweit des Zentralfriedhofs beherbergt auf 6.000 Quadratmetern neben Werkstätten für Leichentruhen ein großes Uniformen-Depot, die Leichenwagenflotte und eine eigene Sarg-"Waschmaschine" der Bestattung Wien.

Rund 13 Millionen Euro hat sich das städtische Unternehmen das - passenderweise vorwiegend in Schwarz gehaltene - neue Logistikzentrum kosten lassen, so Bestattung & Friedhöfe Wien-Geschäftsführer Christian Fertinger bei einem Rundgang mit Journalisten. Es befindet sich hinter dem erst 2012 eröffneten Unternehmenssitz und ist seit Anfang März in Betrieb. Damit ist die Zusammenführung der diversen Betriebsstandorte so gut wie abgeschlossen.

Metallsärge in der Gruft

Viel Platz beansprucht die Sarglogistik. Holzbehältnisse in diversen Größen und aus verschiedenem Holz stapeln sich im Lager. Sie werden von externen Herstellern zugekauft - die Eigenproduktion wäre zu teuer, so Fertinger - und in Simmering für die Aufbahrungen vorbereitet. Kartons voller Holzkreuze oder metallener Christusfiguren, Stellagen mit Polstern und gesäumten Decken - im Bestattungsjargon "Bettzeug" genannt - und jede Menge Werkzeug geben einen Eindruck von der Dauerpräsenz des Sterbens im Arbeitsalltag.

Made in Simmering sind lediglich die Metallsärge. Sie dienen ausschließlich in Grüften als letzte Ruhestätte. Demnach ist die Zahl mit rund 250 Särgen - bei insgesamt 15.000 Einsargungen pro Jahr - recht überschaubar. Zinkplatten werden dabei in einer eigenen Werkstätte zugeschnitten, abgekantet, gebogen, die Einzelteile dann zusammengelötet und im angrenzenden Raum lackiert, erklärt Sarglogistik-Chef Helmut Bauer. Diese Stücke sind teurer als das hölzerne Pendant: "Da steckt viel Handarbeit dahinter."

Das billigste Modell kostet etwa 2.000 Euro, die teuerste Kategorie ist der "S2" genannte "Kardinalssarg", ein auf Hochglanz poliertes Kupfer-Schwergewicht. "Kardinal König wurde in so einem Ding bestattet", erinnert sich Fertinger. Zwei Wochen werken die Spengler an diesem Meisterstück. Kostenpunkt: ein hoher fünfstelliger Betrag. Die genaue Summe will man nicht nennen.

Arbeiten im Schichtbetrieb

Der Simmeringer Standort ist auch Stützpunkt des Abholdienstes, gut 50 Mitarbeiter holen in einem Schichtbetrieb rund um die Uhr Verstorbene von zu Hause oder vom Krankenhaus ab. Bei Unfällen oder dergleichen rückt das Personal mit sogenannten Sanitätssärgen aus, die nach dem Transport wiederverwendet werden. Für Reinigung und Desinfizierung sorgt eine eigene Waschmaschine. In 20 Minuten entferne die röhrenförmige Anlage - eine Spezialanfertigung - jegliche Rückstände, versichert Fertinger.

Etwas gespenstisch wirkt auch das Kleidungsdepot der Bestattung. Auf vielen Metern Stange hängen rund 500 schwarze Anzüge und Hosen, 280 Talare und Dutzende Jacken, die im Außendienst getragen werden. In einem eigenen Schneidereikämmerchen werden beschädigte Stellen repariert bzw. nötige Hosenkürzungen oder Taillenanpassungen vorgenommen. Die Reinigung erfolgt außer Haus.

Sargträgerinnen oder Leichenabholerinnen gibt es bei der Wiener Bestattung übrigens nicht. "Sie müssen sich vorstellen: So ein Sarg mit einem Verstorbenen drinnen wiegt 160 Kilo", verweist Geschäftsführer Fertinger auf die körperlichen Herausforderungen des Jobs. Wiewohl es doch immer wieder vorkomme, dass sich weibliche Interessenten melden würden.

Erfüllte Sonderwünsche

Was die Särge anbelangt, erfüllt das Unternehmen durchaus Sonderwünsche. "Wir hatten schon Särge, die in Rapid-Grün-Weiß oder Milka-Lila gewünscht waren", erzählt Bauer. Ob es auch Grenzen in Sachen Extravaganz gebe? Sicher, meinen die Bestattungsprofis. Eine nackte Frau würde man beispielsweise nicht auf den Sargdeckel applizieren - wobei eine derartige Anfrage noch nie gestellt worden sei, versichern sie. (APA, 17.3.2014)

foto: apa/helmut fohringer
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