Aortenaneurysmen: Chirurgen fordern Ultraschall-Screening

17. März 2014, 13:30
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Unerkannte Aussackungen der abdominellen Hauptschlagader sind eine tickende Zeitbombe - Ein standardisiertes Screening könnte die Todesraten halbieren

Berlin - Potenziell lebensgefährliche Aortenaneurysmen gehören zu typischen Erkrankungen von Männern über 65. Deutschen Chirurgen verlangen deshalb ein einfaches Screeningprogramm per Ultraschall. Das könne die Todesraten von 80 Prozent in etwa halbieren, hieß es am Montag in einer Aussendung.

Diese pathologischen Erweiterungen der Hauptschlagader können ohne vorherige Warnung rupturieren. Für Betroffene kommt medizinische Hilfe oft zu spät. Der rasche Blutaustritt aus dem großen Gefäß führt binnen Minuten zum Tod. Eine gesetzlich vorgesehene Sonografie zur Früherkennung abdomineller Aneurysmen für alle Männer ab dem 65. Lebensjahr sowie für besonders gefährdete Personengruppen wird nun von deutschen Chirurgen gefordert. "Untersuchungen zeigen, dass ein solches Screening die Rate der Todesfälle um die Hälfte senkt", erklärt Joachim Jähne, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), im Vorfeld des 131. Chirurgenkongresses kommende Woche in Berlin (25. bis 28. März).

Entdecken und behandeln

Geschätzte 200.000 Menschen in Deutschland und 70.000 Menschen in Österreich leben mit einem unerkannten Aneurysma im Bauch. "Dabei lässt sich solch eine Aussackung durch eine Ultraschall-Untersuchung leicht entdecken und kann so rechtzeitig behandelt werden", sagt Eike Sebastian Debus, Direktor am Universitären Herzzentrum Hamburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG).

Internationale Erfahrungen haben gezeigt, dass ein standardisiertes Screening der Aorta die Zahl der Todesfälle sowie der Notoperationen um fünfzig Prozent reduziert. Debus fordert eine Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen. Nach dem Vorbild der USA sei eine einmalige Ultraschall-Untersuchung für alle Männer ab dem 65. Lebensjahr zu empfehlen.

"Dies gilt insbesondere für Raucher und Ex-Raucher, sie sind besonders gefährdet", sagt der Gefäßexperte. Auch Frauen die rauchen oder geraucht haben, beziehungsweise bereits unter einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden sollten diese Sreening in Anspruch nehmen können. Finden sich in der Familienanamnese von Männern oder Frauen Fälle Aortenaneurysmen sollte die Untersuchung in jedem Alter zugänglich sein.

Gefahr gebannt

Zeigen sich das Abdomen sonografisch auffällig, dann wird der Patienten in regelmäßigen Abständen zu Kontrolluntersuchungen gebeten. "Wir halten das für eine sehr sinnvolle und effektive Maßnahme. Das Screening auf Bauchortenaneurysmen ist damit deutlich kostengünstiger als beispielsweise das Brustkrebs-Screening oder die Vorsorge für Dickdarm- oder Prostatakrebs", sagt Debus.

Wird die Diagnose Aortenaneuryma sonografisch gestellt, dann wird der erweiterte Gefäßabschnitt meist meist durch eine Prothese überbrücken und die drohende Gefahr einer Ruptur gebannt. Bei kleineren Aussackungen kann eventuell schon eine Änderung des Lebensstils, etwa durch Aufgeben des Rauchens, helfen. In Österreich gibt es kein Programm, wie es für Deutschland derzeit gefordert wird. (APA/red, derStandard.at, 17.3.2014)

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