Oppositionskandidat setzt Wahlkampf aus

22. August 2003, 11:06
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Ruanda wählt ersten Staatschef seit Genozid

Kigali - Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl in Ruanda hat der wichtigste Oppositionskandidat seinen Wahlkampf ausgesetzt. "Meine Anhänger werden vom Geheimdienst bedroht", erklärte Faustin Twagiramungu am Mittwoch in der Hauptstadt Kigali. Er habe deswegen eine Reise über Land abgesagt und wolle den Wahlkampf für zwei Tage aussetzen. Präsident Paul Kagame hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Knapp vier Millionen Ruandesen wählen am kommenden Montag, dem 25. August, erstmals seit dem Völkermord 1994 einen Präsidenten. Gegen Kagame, einen Angehörigen des Tutsi-Stammes, treten drei Hutu-Kandidaten an, darunter eine Frau. Twagiramungu amtierte 1994 als Premier, anschließend verbrachte er acht Jahre im belgischen Exil. Kagame warf ihm vor, im Wahlkampf die ethnische Trennung zu fördern.

Bei dem Völkermord 1994 waren 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu ums Leben gekommen. Die juristische Aufarbeitung kommt nur langsam voran. In den Gefängnissen sitzen noch mehr als 100.000 mutmaßliche Täter ein, die auf ihre Prozesse warten. Das UNO-Tribunal hat bisher erst sechs verurteilt. Um die Aussöhnung der Volksgruppen zu erleichtern, hat die ruandische Regierung außerdem traditionelle Dorfgerichte eingesetzt. (Reuters, red/DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.2003)

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