Serbien: Anklageschrift in Causa Djindjic verfasst

20. August 2003, 16:36
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Laut Medienberichten bezieht sich Anklage auf 45 Personen - 17 Personen flüchtig

Belgrad - Der serbische Spezialstaatsanwalt für den Kampf gegen die Organisierte Kriminalität hat laut der Tageszeitung "Glas javnosti" die Anklageschrift in der Causa des ermordeten Ministerpräsidenten Zoran Djindjic verfasst. Demnach soll der Akt in den kommenden drei Tagen vom Strafsenat der Spezialabteilung des Belgrader Kreisgerichtes begutachtet werden, bevor er den Angeklagten und ihren Anwälten zugestellt wird.

Die Anklage bezieht sich auf 45 Personen, von denen 27 in Untersuchungshaft und weitere 17 auf der Flucht sind. Auf dem Angeklagtenverzeichnis sollen sich nebst dem Mörder, dem früheren stellvertretenden Kommandanten der Spezialpolizeieinheit "Rote Barette" Zvezdan Jovanovic "Zveki", auch noch etliche Angehörige der Mafia-Gruppe von Zemun, darunter Milorad Lukovic "Legija" aber auch Ultranationalistenführer Vojislav Seselj, befinden. Seselj hatte sich kurz vor Ermordung Djindjics dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien selbst gestellt. Lukovic, der als Hauptorganisator des Mordüberfalles angesehen wird, war kurz nach dem Attentat spurlos verschwunden.

In der Anklage seien nebst Ermordung von Djindjic auch noch weitere 14 Mordfälle, drei Entführungen und eine Reihe anderer Straftaten erfasst worden, berichtet das Belgrader Blatt. In Anwaltskreisen war neuerdings zu hören, dass sich der Mörder von Djindjic, Zvezdan Jovanovic, der seine Tat in Abwesenheit eines Anwalt zugegeben haben soll, schweigend verteidigen wolle, weshalb seine Schuld nur schwierig zu beweisen wäre. Die Mordwaffe war zwar schon wenige Tage nach dem Attentat entdeckt worden, offen ist aber, ob sie auch mit Jovanovic in Verbindung gebracht werden kann. (APA)

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