"Eiserner Hermann" gestorben

21. August 2003, 20:33
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Ex-VP-Chef Withalm war von 1968 bis 1970 Vizekanzler der Regierung Klaus

Er war ein treuer Diener seiner Partei, der ÖVP, und erarbeitete sich mit seiner beharrlichen, oft knochentrockenen Art den Spitznamen "eiserner Hermann". In der Nacht auf Mittwoch starb der ehemalige Vizekanzler Hermann Withalm (91).

Der niederösterreichische Notar musste die Volkspartei in einer wenig gloriosen Phase als Obmann übernehmen: 1970, als sich Josef Klaus nach dem Verlust der ÖVP-Mehrheit von einem Tag auf den anderen aus der Politik zurückzog. Die SPÖ galt damals mit Bruno Kreisky plötzlich als zeitgeistig, während der ÖVP die Muffigkeit der Fünfzigerjahre anhaftete. Schon gut ein Jahr später wurde Withalm an der Spitze der (oppositionellen) ÖVP von Karl Schleinzer abgelöst - doch die quälenden Obmanndiskussionen in der zur zweitstärksten Kraft geschrumpften Partei sollten noch lange Jahre andauern.

Zu dieser Zeit konnte Withalm aber schon auf eine glanzvolle Karriere zurückblicken: 1953 hatte ihn der damalige VP-Chef und Kanzler Julius Raab in den Nationalrat geholt, dem er 22 Jahre lang angehörte. Withalm galt als brillanter Redner, der sich legendäre Wortgefechte mit dem SPÖ-Klubobmann und Vizekanzler Bruno Pittermann lieferte. 1956 wurde Withalm Staatssekretär im Finanzressort, vier Jahre später VP-Generalsekretär und Klubobmann, 1968 Vizekanzler im damals (1966 bis 1970) von der ÖVP allein regierten Kabinett Klaus.

1974 sollte er Präsidentschaftskandidat werden, wurde aber im letzten Augenblick gegen den "volksnäheren" Alois Lugger ausgetauscht, obwohl bereits erste Plakate gedruckt waren. (Lugger verlor dann gegen Kirchschläger.) Seine letzte politische Funktion übte Withalm bis 1988 als Seniorenbundchef aus. Er galt als Gegner einer schwarz-blauen Koalition.

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel würdigte den Verstorbenen als "große Politikerpersönlichkeit, die in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten mit großem Mut den Blick und auch die Umsetzungskraft für wichtige Reformen bewiesen hat". Bundespräsident Thomas Klestil und Nationalratspräsident Andreas Khol rühmten die "Handschlagqualität" Withalms. (mon/DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.2003)

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