Großer Brauner mit beruhigender Wirkung

21. August 2003, 14:17
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Prozess: Villacher Polizist soll Kollegen Beruhigungsmittel in den Kaffee gemischt haben

Klagenfurt - Kaffee hat anregende Wirkung, sollte man meinen. Es sei denn, man ist Polizeibeamter in Villach. Da kann es schon vorkommen, dass nach dem Genuss eines großen Braunen Müdigkeit, Sehstörungen und Halluzinationen auftreten. Und das immer dann, wenn jener Kollege, der sich am Dienstag am Landesgericht Klagenfurt wegen schwerer Körperverletzung verantworten musste, Dienst hatte. Er soll Beruhigungsmittel in den Kaffee gemischt haben. Der Mann bekannte sich nicht schuldig.

Aufgeflogen ist die Sache im Juni. Als einer der Kollegen wegen der Beschwerden zum Arzt ging, fand dieser Spuren von Drogen und Medikamenten in seinem Blut.

Beruhigungsmittel in den Verteiler

Gegenüber der Richterin gab der Angeklagte nur zu, Beruhigungsmittel in den Verteiler der Kaffeemaschine gegeben zu haben. "Und zwar für mich selbst", sagte er zunächst, "weil ich das Mittel von meinem Arzt verschrieben bekommen habe." Er sei bis zu einem Bruch beider Knöchel Ausdauersportler gewesen, sei aber dann auf Kraftsport umgestiegen. Das Mittel, das er zum Muskelaufbau genommen habe, hätte allerdings zu Unruhe geführt. Bloß, weil die verschriebenen Beruhigungstabletten "bei mir nichts geholfen haben, wollte ich sehen, wie sie bei anderen wirken". Deshalb habe er einmal eine Tablette in die Kaffeemaschine gegeben.

"Kollegen wollten Nebentätigkeiten tarnen"

Warum die Symptome einen längeren Zeitraum immer wieder aufgetreten seien, meinte der Angeklagte erklären zu können. "Die Kollegen wollen nur ihre Nebentätigkeiten tarnen. Die sind müde, weil sie zum Beispiel als Fahrlehrer nebenbei arbeiten."

Der Richterin platzte schließlich der Kragen, und sie hielt dem Angeklagten seine Aussage vor, wonach er das Beruhigungsmittel absichtlich in das Kaffeepulver gemischt habe. "Halten Sie uns nicht für blöd, Herr Angeklagter", so die Richterin.

Die Verhandlung wurde schließlich vertagt. Jener Arzt, durch dessen Untersuchung die Sache aufgeflogen ist, und der Hausarzt des Angeklagten sollen als Zeugen aussagen. (fern, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 20.8.2003)

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