Wilfried Seipel gibt das Palais Harrach auf

24. August 2003, 22:58
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Das Kunsthistorische wirft "Ballast" ab

Wien - Im Jänner 2002 meinte Klaus Albrecht Schröder, Direktor der Albertina, dass angesichts einer gegenseitigen Konkurrenzierung der Veranstalter in Wien Ausstellungsflächen vom Markt genommen werden müssten. An seinen Rat hielt sich Schröder selbst aber nicht - beziehungsweise erst in der finanziellen Not: Er lässt eine der beiden Wechselausstellungshallen, die er errichten ließ, leer stehen.

Auch Wilfried Seipel, Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums, sieht sich gezwungen, Fläche vom Markt zu nehmen: Er gibt das Palais Harrach auf. Über den Zeitpunkt des Ausstiegs wird derzeit mit dem Vermieter der Immobilie, der Wlaschek-Stiftung, verhandelt. Je eher, desto lieber, spätestens aber Ende 2004: "Wir werfen einen Ballast ab", sagt Seipel. Die Miet-und Betriebskosten hätten pro Jahr 450.000 Euro betragen.

Der KHM-Chef weist zwar auf über 100 Ausstellungen hin, die seit Mai 1995 im damals frisch renovierten Palais an der Freyung gezeigt wurden. Das wirtschaftliche Konzept (Seipel wollte die Dependance ohne Zuschüsse durch das Haupthaus führen) ging aber nicht auf: Als Grund für den Rückzug nennt Seipel, dass zumindest bis 2005 keine Erhöhung der Basisabgeltung des Bundes zu erwarten sei.

Das KHM steht künftig, da auch das Künstlerhaus nicht mehr angemietet wird (Seipel bezeichnet dies als "großen Fehler"), ohne eigentliche Fläche für Sonderausstellungen da. Ersatz steht erst nach Ende der gegenwärtigen Renovierung des Völkerkundemuseums zur Verfügung: Im Erdgeschoß der Neuen Burg werden Räume für kulturgeschichtliche Schauen adaptiert. Seipel kämpft daher weiter für eine unterirdische Erweiterung des KHM im Bereich Maria-Theresien-Platz, die inkl. Einrichtung 35 bis 40 Millionen Euro kosten würde.

Das Liechtenstein Museum, das im März 2004 eröffnet, hegt nach Seipels Rückzug Expansionspläne: Direktor Johann Kräftner will nun das eigene Stadtpalais in der Bankgasse restaurieren und für die Schausammlung nutzen. (Thomas Trenkler/DER STANDARD; Printausgabe, 20.08.2003)

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