Stromnetz-Erneuerung ungesichert

19. August 2003, 18:54
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Bush will Pläne zur Erneuerung des Stromnetzes samt stärkerer regionaler Kontrolle der Energieversorgung aufhalten

Washington/New York/Toronto - US-Präsident George W. Bush wolle die Pläne der Bundeskommission zur Reglementierung der Energiewirtschaft auf Eis legen, berichtete die Washington Post am Sonntagabend. Dem Plan zufolge soll die Macht im Bereich der Energieaufaufsicht von der Ebene der Bundesstaaten auf regionale Einheiten verlagert werden, die den Stromfluss kontrollieren sollen. Damit würde der Einfluss der Bundesstaaten und der Energieunternehmen eingedämmt.

Gegen die Pläne gibt es auch Widerstand im US-Kongress, vor allem von Abgeordneten aus den östlichen Bundesstaaten. Sie fürchten durch eine Vernetzung des Stromnetzes über mehrere Bundesstaaten hinweg ein höheres Risiko von Stromausfällen.

"Extrem verwundbar"

Laut Washington Post stieg die Strommenge, die in den USA durch Hochspannungsleitungen gejagt wird, seit 1992 um 400 Prozent. Das veraltete Stromnetz wird für den größten Stromausfall in der Geschichte Nordamerikas verantwortlich gemacht, von dem am vergangenen Donnerstag rund 50 Millionen Menschen betroffen waren.

Nach den Worten des ehemaligen Energieministers Bill Richardson ist das US-Stromnetz bei möglichen terroristischen Angriffen "extrem verwundbar". Ein Anschlag auf das Stromnetz sei derzeit sehr einfach. Richardson warf der amerikanischen Energiewirtschaft Nachlässigkeit im Bereich der Sicherheit vor.

Wiederherstellung der Stromversorgung angelaufen

In der Acht-Millionen-Stadt New York ist am ersten regulären Arbeitstag nach Wiederherstellung der Stromversorgung das Leben normal angelaufen. Allerdings stand auch am vierten Tag nach dem "Blackout" noch nicht fest, was ihn verursacht hat. Dem Ermittlungsstand von Montag zufolge war der Ausgangspunkt vermutlich in einem Kraftwerk im Bundesstaat Ohio.

Aus Angst vor einem neuerlichen Zusammenbruch der Energieversorgung am Montag hat die Regierung der kanadischen Provinz Ontario die Bevölkerung zum Stromsparen aufgerufen. "Es wird noch nicht genug Strom erzeugt, als dass wir einen normalen Werktag überstehen könnten", sagte der Ministerpräsident von Ontario, Ernie Eves

Besonders der Energieverbrauch in der Millionenstadt Toronto machte den Behörden Sorgen. Eves erklärte, große Industriebetriebe hätten zugesagt, ihren Stromverbrauch in der kommenden Woche um die Hälfte zu senken, und bat alle Bürger, dasselbe zu tun. (AP, AFP, dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 20.8.2003)

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