Schlepperbanden auf Kundenfang im Internet

21. August 2003, 14:17
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Österreich als Flüchtlingsparadies beworben

Wien - "Österreich ist ein großes Zentrum für Flüchtlinge. Alle Verfahren laufen unter der materiellen Patenschaft der UNO ab. Man bekommt rasch einen Flüchtlingspass, es gibt Unterstützung in Form von Verpflegung und medizinischer Versorgung. Plus die kostenlosen Dienstleistungen der Spezialisten von internationalen Organisationen." Diese Anpreisung Österreichs quasi als Paradies für Flüchtlinge stammt von einer russischen Homepage.

Erich Zwettler vom Bundeskriminalamt kennt Dutzende ähnlicher Internetseiten, die oft mit falschen Informationen gespickt sind. Dass wirtschaftliche Gründe nicht ausreichen, um Asyl zu erhalten, steht nirgends. Die professionelle Machart der Seiten täuscht offiziellen Charakter vor, doch in Wahrheit handelt es sich um "Kundenfang" für Schlepperorganisationen. "Stufe zwei ist, dass sich ausreisewillige Menschen an Schlepper wenden müssen, weil in den meisten Fällen eine legale Einreise nicht möglich ist", erklärt Zwettler im STANDARD-Gespräch.

Flüchtlinge zu kriminellen Tagen gezwungen

Stufe drei: Finanzierung. Nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes werden Flüchtlinge auch zu kriminellen Taten gezwungen, um Schulden abzuarbeiten. "Schlepperstrukturen lassen sich für Drogenhandel benutzen", nennt Zwettler ein Beispiel. Und als Druckmittel werde häufig die in der Heimat zurückgelassene Familie bedroht.

Bei Schleppergeschäften gebe es drei bis vier Hierarchien, die einander meist persönlich nicht bekannt seien. "Es gibt kein Mastermind", so der Kriminalist. Die illegalen Schleusungen erfolgten durch anonyme Kettenaufträge. Zwettler: "Das macht es auch so schwer, Schleppersysteme zu zerschlagen." (Michael Simoner/DER STANDARD, Printausgabe, 20.8.2003)

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