Israel will Palästinenser für Sperrzaun-Bau enteignen

20. August 2003, 19:53
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Orte am Rande Jerusalems werden isoliert - Baubeginn in einem Monat

Jerusalem - Israel will zum Ausbau seiner Sperranlagen bei Jerusalem zahlreiche palästinensische Landbesitzer enteignen. Wie der palästinensische Kartograf Kalil Tufakji am Dienstag sagte, erhielten Ende voriger Woche Dutzende Familien in den Ortschaften Abu Dis, Issariyeh, Tsur Baher und El Sawahreh el Sharkia entsprechende Enteignungsverfügungen der israelischen Behörden. Das israelische Verteidigungsministerium bestätigte dies.

Der in dem Gebiet geplante 5,5 Kilometer lange elektrische Sperrzaun würde die Bewohner sowohl von Jerusalem als auch vom Hinterland im Westjordanland abschneiden. Zehntausende Palästinenser könnten dann nur eine von israelischen Soldaten kontrollierte Straße benutzen, um in das umzäunte Gebiet zu gelangen oder es zu verlassen, sagte Tufakji. "Das heißt, dass alle diese Orte am Rande Jerusalems isoliert sind." Unter dem Deckmantel der Sicherheit setze Israel einen Plan zur Isolierung der Ortschaften um Jerusalem herum um und verwandle sie in abgeschiedene Kantone.

Betonmauer

Bereits vor über einem Jahr errichtete Israel zwischen Jerusalem und den jetzt betroffenen Orten eine Betonmauer, die die Bewohner vom arabischen Ostteil Jerusalems trennt. Um in den Ostteil Jerusalems zu gelangen, benötigen sie statt früher fünf Minuten inzwischen eine Stunde und länger. Der geplante Sperrzaun würde es den Bewohnern nun ähnlich schwierig machen, in das Westjordanland zu gelangen.

Wie aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete, könnte mit dem Bau der neuen Sperranlagen bereits innerhalb eines Monats begonnen werden. Voraussetzung sei, dass die betroffenen Palästinenser nicht gegen die Landenteignungen vor Gericht klagten. Verteidigungsminister Shaul Mofaz verteidigte unterdessen bei einer Besichtigung der Sperranlagen nahe der jüdischen Siedlung Alfei Menashe den Ausbau der Anlagen einschließlich der bei Jerusalem.

Die Sperranlagen bestehen aus massiven Betonmauern, aus elektrischen Zäunen und Stacheldrahtzäunen sowie aus Schutzgräben. Damit soll verhindert werden, dass Selbstmordattentäter auf israelisches Gebiet gelangen. Die palästinensische Autonomiebehörde kritisiert den Bau der Sperranlagen scharf. Aber auch die USA sehen darin "ein Problem", wie es Außenminister Colin Powell wiederholt formulierte. (APA/AP)

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    foto: reuters/awad
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