Blauer Flohzirkus juckt Rote wenig

21. August 2003, 08:40
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Nach wechselseitigen Schalmeienklängen geht die SPÖ nun wieder etwas stärker auf Distanz zur FPÖ

Diese sei ein unzuverlässiger Partner, lassen SP-Spitzen wissen. Und der letzte Annäherungsversuch von Parteichef Herbert Haupt nichts als ein Ablenkungsmanöver.

Wien – Keine großen Chancen gibt SP-Klubobmann Josef Cap einer zuletzt von FP-Chef Herbert Haupt nicht ausgeschlossenen rot-blauen Koalition nach der nächsten Wahl: "Wer soll denn diesen blauen Flohzirkus bändigen?" Immerhin könnte die FPÖ, die ohnehin dauernd umfalle, auch einmal in Richtung SPÖ umfallen. Haupt hatte außerdem Gusenbauer als Politiker bezeichnete, "der mutige Reformschritte setzen würde, wenn der linke Flügel der SPÖ ihn ließe"

Im Verhältnis zu den Grünen, die diese Annäherung heftig kritisieren, gibt es laut Cap "keine Klimaveränderung".

"Es gehört zur politischen Kultur, dass in Sachfragen gemeinsame Gespräche laufen." So sieht Hannes Gschwentner, SPÖ-Chef in Tirol, die Annäherung zwischen Alfred Gusenbauer und Jörg Haider. Eine Annäherung, die für ihn keine ist, sondern lediglich eine Abstimmung in Sachfragen. Für die Kritik der Grünen daran hat er wenig Verständnis: "Mit jemanden zu reden, heißt noch nicht Koalitionsverein barungen zu treffen, heißt noch nicht eng zu kooperie ren. Mit anderen Parteien zu reden, heißt zu versuchen eigenen Positionen zum Durchbruch zu verhelfen." Gschwentner ist davon überzeugt, dass auch die Grünen in Zukunft das Gespräch mit der FPÖ suchen werden, da sie sich ja auch mit der ÖVP an einen Tisch gesetzt und über eine mögliche Koalition verhandelt haben – trotz sehr gegensätzlichen Positionen.

Die Kärntner SPÖ reagierte am Dienstag deutlich zurück haltender auf die Avancen Haupts. Hatte SP-Chef Peter Ambrozy nach Alfred Gusen bauers Tete a tete mit Jörg Haider eine rot blaue Zusammenarbeit ausdrücklich begrüßt, sieht er die FPÖ im Gespräch mit dem STANDARD jetzt als "schwierigen Partner". Der vor allem "nicht verlässlich" sei: "Bei der Steuerreform haben wir eine Zusammenarbeit versucht. Tatsache ist, dass die FPÖ umgefallen ist. Damit hat sie sich als Unsicherheitsfaktor herausgestellt". "Nichts als Show" Dabei sei es unerheblich, ob man es mit der Haupt- oder der Haider-Fraktion zu tun habe: "Die FPÖ hat bis jetzt nichts als Show geboten. Es ist schon klar, dass es koalitionäre Zwänge gibt. Da darf man dann aber auch vorher den Mund nicht so weit aufreißen." Haupts Lob für Gusenbauer will Ambrozy ebenso wenig ernst nehmen wie die Aussagen des FP-Chefs, er habe als Sozialpolitiker mit der SPÖ schon immer gut können: "Ein reines Ablenkungsmanöver." Ambrozy ließ jedoch of fen, ob es zu einer Koalition mit der FPÖ kommen könne: "Das wird man dann an Hand des Wahlergebnisses sehen." Und auch über eine mögliche FPÖ-Unterstützung für einen künftigen Landeshauptmann Ambrozy will der Kärntner SP-Vorsitzende "nicht einmal spekulieren". (eba, pm, stein/DER STANDARD, Printausgabe, 20.8.2003)

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