Treibhausgase aus dem Tropenwald

21. August 2003, 12:26
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Urwaldrodung setzt viel CO2 frei - das Kohlendioxid stammt aus tiefen Bodenschichten

Göttingen - Wissenschaftler der Universität von Göttingen haben in einem Forschungsprojekt in Costa Rica eine entscheidende Entdeckung gemacht: Beträchtliche CO2-Mengen können aus den tieferen Bodenschichten eines Tropenwaldes freigesetzt werden und so den Treibhauseffekt fördern. Das Abholzen der Bäume steigert die CO2-Emissionen dramatisch, berichten die Forscher.

Zusammen mit Ökologen aus Costa Rica und den USA haben die Wissenschaftler des Göttinger Instituts für Bodenkunde und Waldernährung sechs Jahre lang die Kohlenstoffkonzentration in den Böden sowie die Freisetzung und Speicherung von CO2 untersucht. Nach den jüngsten Ergebnissen geben nämlich auch ungestörte tropische Wälder vermehrt Kohlendioxid in die Erdatmosphäre ab, wenn es zu einem Temperaturanstieg im Zuge der globalen Klimaentwicklung kommt, berichtet Forschungsleiter Edzo Veldkamp in den internationalen Fachzeitschriften "Global Change Biology" und "Biogeochemistry".

Folge der Abholzung

Die Zunahme der Kohlendioxid-Konzentration in der Erdatmosphäre ist nicht nur die Folge der Verbrennung fossiler Brennstoffe, sondern auch der Abholzung tropischer Regenwälder. Bisher haben die Wissenschaftler angenommen, dass diese zusätzliche CO2-Emission aus den oberen Bodenschichten der abgeholzten Flächen stammt. Die Forscher konnten nun zeigen, dass in den tiefern verwitterten Bodenschichten sehr viel mehr Kohlenstoff enthalten ist als bisher angenommen.

"In vielen Teilen der Tropen sind die Böden viel älter und mit bis zu 50 Metern sehr viel tiefer als Waldböden in Mitteleuropa, da sie nicht von den Eiszeiten berührt wurden", erklärt der Forscher. Die bisherige Annahme, der in tiefen Bodenschichten gespeicherte Kohlenstoff sei eingeschlossen und könne nicht von Mikroorganismen zu Kohlendioxid abgebaut werden, wurde von den Forschern widerlegt.

Mikroorganismen in vier Meter Tiefe

Die Forschungsergebnisse aus Costa Rica zeigen, dass noch in vier Meter Tiefe Mikroorganismen vorhanden sind, die den Kohlenstoff abbauen. "Wenn diese Gebiete abgeholzt werden, kann es so zu einer unerwartet hohen Freisetzung von Kohlendioxid kommen", erklärt der Wissenschaftler. Doch könne auch der Schutz der Bestände möglicherweise nicht verhindern, dass in Zukunft vermehrt CO2 aus den Tropenwäldern in die Atmosphäre abgegeben wird.

Die Forscher haben in ungestörten tropischen Wäldern Indizien gefunden, dass schon ein geringer Temperaturanstieg zu einer vermehrten CO2-Produktion in den tieferen Bodenschichten führt. "Tropische Regenwälder sollten nicht in andere Landnutzung umgewandelt werden. Aber selbst dies kann möglicherweise nicht verhindern, dass sie in Zukunft erhöhte Mengen an Kohlendioxid abgeben", erklärt Veldkamp. Auf die Frage, ob ein Tropenwald dem Treibhauseffekt entgegenwirken könnte, haben die Experten ein ernüchterndes Ergebnis bekommen. "Die Speicherung verläuft so langsam, dass sie nur über mehrere Jahrtausende wirksam wird", erklärt der Wissenschaftler. (pte)

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