Alternatives Hybrid-Auto auf IAA

25. August 2003, 14:23
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Brennstoffzellen-Ersatz: Innovativer Zwei-Takter als Stromlieferant

Zwickau/Frankfurt - Mit einem völlig neuartigen Antriebskonzept warten die Forscher der Westfälischen Hochschule in Zwickau bei der Frankfurter Automobilmesse IAA auf. Präsentiert wird ein alternatives Hybridkonzept, das auf einem Otto-Motor basiert, der den Strom für den Elektromotor erzeugt. Nach Ansicht der Wissenschaftler kann damit der größte Nutzen erreicht werden.

"Brennstoffzellen dominieren die meisten Antriebsszenarien der Zukunft, der Kolbenmotor zählt zu den Rentnern", so Forschungsleiter Cornel Stan, der gemeinsam mit Detlef Solondz und dem Forschungsteam an einer Revolution der Antriebstechnik arbeitet. "Die Brennstoffzelle ist jedoch auf Grund der technischen Komplexität, die ihren beachtlichen Preis hat, in den nächsten 15 Jahren kaum als Serienprodukt realisierbar", zeigt sich Stan überzeugt.

Benzin-Direkteinspritzung

Die Zwickauer Forscher haben in ihrer Überlegung die Version des Verbrennungsmotors in der Rolle der Brennstoffzelle ausgearbeitet. "Strom produzieren, weitgehend im Stationsbetrieb für einen Antriebs-Elektromotor, kann ein Verbrennungsmotor auch, und zwar sehr effizient und weniger kostenaufwändig", so der Wissenschaftler.

"Wenn der Zweitakter nur mit Luft beatmet und mit Kraftstoff erst während der Verdichtung versorgt wird, haben die Makel des hohen Verbrauchs und der Emission keinen Halt mehr", erklärt der Wissenschaftler, der mit seinem Team die passende Benzin-Direkteinspritzung entwickelte. Der Motor wiegt rund acht Kilogramm, misst 25x30x30 cm und passt mit dem 15-Liter-Benzintank unter den Rücksitz eines Kompaktwagens.

CO2-Ausstoß ein Drittel des herkömmlichen Ottomotors

"Er geht automatisch an, wenn die Spannung der als Energiepuffer vorgesehenen Batterie unter den Sollwert gerät oder wenn der Antriebs-Elektromotor länger hoch belastet wird. Ansonsten läuft er stand by", führt der Forscher aus. In einem Prototyp-Kompaktfahrzeug mit 900 kg wurde in dieser Konfiguration ein Verbrauch von 2,4 Liter/100 km im normierten Stadtzyklus erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 120 km/h. Der CO2-Ausstoß beträgt ein Drittel von dem eines ähnlichen Fahrzeuges mit modernem Ottomotor. Die Reichweite liegt bei mehr als 400 km. Dann muss der Wagen Strom und Benzin tanken. In der Stadt ist der Wagen optimal einsetzbar, da er kein Getriebe hat.

"Chancen am Absatzmarkt"

"Stadtfahrt und Kurzstrecke sind wahre europäische Prägungen, denn 80 Prozent der Europäer wohnen in Städten, von denen fahren wiederum 80 Prozent weniger als 50 km am Tag", rechnet der Experte vor. Das neue Auto mit dem alternativen Antriebssystem habe also durchaus Chancen am Absatzmarkt. Als Zweitakt-Alternative steht auch ein kompakter Vierventil-Viertaktmotor mit Direkt-Einspritzung zur Auswahl. "Dieser Motor ist ein absolutes Novum, da er ein Ottomotor ohne Drosselklappe ist. Das ist vergleichbar mit einem Diesel mit Zündkerze. Die Effizienz und das Reaktionsvermögen sind entsprechend hoch", meint Stan. (pte)

  • Artikelbild
    derstandard.at
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