Rauch-Kallat will Studien

19. August 2003, 21:11
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Auch Deutschland hat auf Risikodaten reagiert

Wien/Berlin - In Sachen Hormonersatz wurde auch das österreichische Gesundheitsministerium aktiv. "Die Ministerin hat beim Obersten Sanitätsrat ein Gutachten über die Hormonersatztherapie in Auftrag gegeben. Außerdem wurde eine wissenschaftliche Studie beauftragt, in der Fragen rund um Brustkrebs untersucht werden", sagte Dienstag eine Sprecherin von Ressortchefin Maria Rauch-Kallat.

Wie berichtet, berge die Hormontherapie gegen Beschwerden in den Wechseljahren, die mit Östrogen und Gestagen durchgeführt wird, ein doppeltes Risiko. The Lancet veröffentlichte ein Studie an mehr als einer Million Frauen im Alter zwischen 50 und 64 Jahren: Die Gestagen-Östrogen-Kombitherapie stelle ein dreimal größeres Brustkrebsrisiko dar als alleinige Behandlung mit Östrogen. Das Brustkrebsrisiko unter Hormontherapie, egal ob mit einem oder mehreren Substanzen, sei generell um 22 Prozent höher. Und das New England Journal of Medicine publizierte eine Studie an 16.000 Frauen: Nach einjähriger Östrogen-Gestagen-Therapie waren Frauen deutlich anfälliger für Herzerkrankungen.

Schwer übertragbar

Die Ministerin hätte sich bereits mit Experten in der Angelegenheit beraten, hieß es Dienstag. Die Ergebnisse der britischen Studie könne man aber nicht eins zu eins auf Österreich übertragen, weil in Großbritannien die Hormonersatztherapie auch über Krankenschwestern laufen kann. In Österreich geschehe das nur unter fachärztlicher Aufsicht - aus diesem Grund haben auch heimische Gynäkologen wie etwa "Hormonpapst" Johannes Huber vom Wiener AKH vor einer Hysterie gewarnt. Andere Mediziner hingegen empfahlen Frauen den sofortigen Abbruch einer solcher Therapie.

Auch das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel hat ob der neuen Daten gehandelt: Bis November sollen die Hersteller der Hormonpräparate (etwa Solvay, Wyeth, Schering, Novartis und Novo Nodisk) die Beipacktexte für die Präparate umschreiben. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 20.8.2003)

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