Wiener Gynäkologe kontert Krebshilfe

19. August 2003, 13:26
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"Therapieabbruch ist überzogen und britische Studie nicht auf Österreich übertragbar"

Wien - Der Wiener Gynäkologe und Endokrinologe Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber hält die Empfehlungen der Österreichischen Krebshilfe, laufende Hormonersatztherapien wegen eines laut Studienergebnissen höheren Brustkrebsrisikos wenn möglich zu beenden, für "weit überzogen". Überdies zweifelte der "Hormonpapst" die Übertragbarkeit der diesem Rat zu Grunde liegenden britischen Studie auf Österreich an.

"Studien von Krankenschwestern"

In Großbritannien würden Hormonersatztherapien und ebenfalls solche Studien wie die jüngst im "Lancet" veröffentlichte nicht von Ärzten, sondern von Krankenschwestern durchgeführt, so Huber: "Vom 'niedrigen' Personal und völlig undifferenziert. Davor habe ich schon früher gewarnt." Anders als in Österreich oder Deutschland würden solche Behandlungen nicht "maßgeschneidert" erfolgen. Das Problem sei nicht die Substanz an sich, sondern die Art der Anwendung. "Es handelt sich daher bei solchen Untersuchungen um Therapiestudien, nicht um Substitutionsstudien", sagte Huber. Letztere würden gerade erst durchgeführt, die Ergebnisse lägen aber noch nicht vor.

Mangel an männlichen Hormonen

"Man muss alle Aspekte genau prüfen, warum das Mammakarzinom so im Ansteigen ist", forderte der Mediziner. Dabei dürfe man nicht nur Östrogene im Auge haben. "45 von 1.000 Frauen erkranken ohne jede Substitution an Brustkrebs. Ein Mangel an männlichen Hormonen ist dabei entscheidend verantwortlich": Durch "Androgenmangel in der Prämenopause" fehlte den betroffenen Patientinnen "in der Brust ein Protektivum". "Man muss auch Androgene, nicht nur Östrogene untersuchen, das sind zwei Seiten einer Münze."

Zur Empfehlung, Hormonersatztherapien abzubrechen: "Das ist genau so, wie wenn man die Behandlung bei einer Schilddrüsenunterfunktion einstellt", meint Huber: "weit überzogen." (APA)

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