Telemann-Oper in Gmunden

21. August 2003, 20:08
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Uraufführung nach 300 Jahren: "Pastorelle en musique" gilt als das älteste erhaltene Musikdrama des Komponisten

Wien/Gmunden - Die Festwochen Gmunden haben heuer etliche interessante Projekte zu bieten. Nach einem interdisziplinären Thomas Bernhard-Abend ("Servus und es ist alles egal") sowie Uraufführungen von Michael Nyman ("Beckham crosses, Nyman scores") und Franzobel ("Black Jack") wird am Samstag (23.8.) eine bisher unbekannte Telemann-Oper erstmals aufgeführt. "Pastorelle en musique", das älteste erhaltene Musikdrama des Komponisten, entstand vermutlich zwischen 1705 und 1710. Die Partitur wurde in den Beständen der Berliner Singakademie entdeckt, die nach dem Zweiten Weltkrieg lange als verschollen galten, 1999 in Kiew entdeckt und im Vorjahr restituiert wurden.

"Die Partitur dieses Werkes habe ich erstmals im April 2001 in der Hand gehalten, als die Sammlung noch in Kiew war", schildert der junge, in Österreich ausgebildete Dirigent Kirill Karabits, der im Oktober 2001 von einem Spezialisten in Magdeburg die Bestätigung erhalten haben will, dass es sich bei der (nicht als Autograph, sondern in Abschrift erhaltenen) Partitur um eine Telemann-Komposition handelt. Noch in Kiew hat er begonnen, die Telemann-Oper - ein für fünf Solopartien und zwei Chöre geschriebenes Schäferspiel nach Moliere - zu transkribieren, um möglichst bald eine Aufführung zu ermöglichen. In Gmunden (und tags darauf in der Kirche von Piber) dirigiert Karabits das auf historischen Originalinstrumenten spielende Grazer Barockensemble Capella Leopoldina. Auch die Komische Oper in Berlin soll 2004 eine Aufführung des Werkes, das 43 Vokalnummern und vier Instrumentalstücke umfasst, planen.

Telemann gilt als der produktivste aller Tonschöpfer der abendländischen Musik. Sein gewaltiges Werk umfasst 40 Opern, 46 Passionen, 35 Oratorien, 1.750 nachweisbare Kantaten, 33 Hamburger Kapitänsmusiken, 600 Orchesterstücke, Suiten, Ouvertüren, Sinfonien, Konzerte und Solosonaten. Seine Wiederentdeckung setzte allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg in verstärktem Umfang ein. "Pastorelle en musique" tauchte vor der Wiederentdeckung in keinem historischen Aufführungsverzeichnis auf. Das teils deutsche, teils französische Libretto verfasste der Komponist wahrscheinlich selbst.

(APA)

S E R V I C E

"Pastorelle en musique",
23.8., 20 Uhr, Stadttheater Gmunden,
Künstlerische Leitung:
Jörg Zwicker,
Dirigent: Kirill Karabits,
SolistInnen:
Maria Zadori - Caliste, Barbara Fink - Iris, Lydia Vierlinger - Amyntas, Bernhard Berchtold - Knirfix, Mathias Hausmann - Damon,

Informationen
Gmundner Festwochenbüro:
07612 / 70630 oder unter Festwochen Gmunden http://www.pastorelle.de

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