Im Angesicht der Open Source

27. August 2003, 14:46
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SCO stellt sich auf der eigenen Unix-Konferenz als James Bond im Kampf gegen das Böse dar und präzisiert die eigenen Anschuldigungen

In einer dramatisch inszenierten Rede zum Auftakt des SCO-Forums hat Firmenchef Darl McBride – untermalt von James Bond Musik und Bildern – den Kampf gegen das Böse in Gestalt der Open Source Bewegung erklärt. "Wir kämpfen für das Recht, mit Software Geld zu verdienen. Und wir kämpfen für Euch mit!" rief er dabei den im Saal Anwesenden verblieben SCO-Jüngern – große Firmen wie HP und Intel hatten ihr Kommen kurzfristig abgesagt – entgegen.

Substanz(los)

Um die Anschuldigungen des angeblichen Unix-Rechteinhabers, dass der Linux Kernel widerrechtlich Unix-Code verwende, zu untermauern, präsentierte McBride den Anwesenden Code-Teile aus aktuellen Entwicklerversionen. Allerdings waren die entscheidenden Passagen weitgehend unkenntlich macht, was eine Überprüfung der Anschuldigungen weiterhin unmöglich macht. Der SCO-Chef behaupte jedenfalls felsenfest, dass sich insgesamt 800.000 Programmzeilen mit Unix-Code überschneiden, dezidiert nannte er dabei die Multiprozessortechnologien NUMA und SMP sowie die Dateisysteme JFS und XFS.

Zentral

Dabei handle es sich auch nicht um triviale Funktionen von Linux sondern zentrale Technologien, die das Wachstum des Open Source Betriebssystems im professionellen Markt erst ermöglichen würden. Diese wären bisher im Unix-Umfeld nur um teure Hardware im Bereich von zehntausenden US Dollars zu haben gewesen.

Rechtliches

Unterstützung bekam McBride bei seinem Auftritt von Mark Heise von der Rechtsanwaltskanzlei Boies. Dieser versuchte dazulegen, dass die Lizenzbedingungen für derivativen Code, also Programmschnippsel, die ursprünglich für Unix entwickelt wurden und jetzt in Linux zum Einsatz kommen, eindeutig eine Weiterverbreitung verbieten. IBM habe also mit der Integration solcher – wenn auch selbst entwickelter – Technologien gegen das Abkommen verstoßen, eine Weiterverwendung sei laut Lizenz nur für interne Zwecke gestattet.

Nicht sein Ding

Eine weitere Attacke gab es auch gegen die GPL, diese zerstöre legale Geschäftsgrundlagen. Damit wolle man nichts zu tun habe, oder wie McBride es ausdrückt: "Freie Software -- das ist nicht unser Ding." Linux-BenutzerInnen bietet SCO drei Möglichkeiten an: Entweder würden sie auf Kernel 2.2 zurückkehren – den SCO damit erstmals als von den Vorwürfen frei anerkennt – oder sie steigen auf ein anderes Betriebssystem um. Am liebsten wäre McBride aber alle Linux-NutzerInnen würden von seinem Unternehmen eine Lizenz kaufen, 700 US Dollar pro Prozessor verlangen die James Bond-Imitatoren momentan dafür (apo)

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