Nicht denken als Erfolgsgeheimnis

21. August 2003, 21:17
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Martin Wiegele will mehr, als österreichische Golfer normalerweise wollen

Wien - Auf einmal geht alles ganz schnell. In der heutigen Zeit überhaupt und auf der Golf-Challenge-Tour im Besonderen. Seit Martin Wiegele bei den Russian Open in Moskau Zweiter geworden ist und sich damit die Tourkarte für die European Tour, die nächste Stufe in der internationalen Golfhierarchie, gesichert hat, scheint in seinem Leben nichts mehr so wie vorher.

Wiegele bekommt plötzlich Sektduschen, Geld und auch die Medien reißen sich um den vermeintlichen Randsportartbetreiber. Ein Umstand, der den 25-jährigen Steirer wenig kümmert: "Sicher waren die letzten Tage enorm anstrengend", sagt er, aber letztendlich sei das ja erfreulich, für ihn, für den Golfsport überhaupt. Für den will er in zwei Wochen auch in Österreich Werbung machen, bei den BA-CA-Golf Open im Golfclub Fontana im Süden Wiens spielt Wiegele vom 2. bis 7. September eine Exhibition.

In seinem Flight spielen die PGA-Stars Nick Faldo (sechsmaliger Majorsieger) und Niclas Fasth (Ryder-Cup-Sieger 2002). Wiegeles Landsleute Markus Brier und Nikolaus Zitny messen sich mit dem Schotten Colin Montgomerie. Die Dotation beträgt 150.000 Euro, ein heimischer Jungstar passt da perfekt in das Konzept. Moskau, wo er erst im Stechen gegen den Australier Marcus Fraser verlor, hat Wiegele abgehakt, heute spricht er von "der richtigen Leistung zur richtigen Zeit".

Der Mittzwanziger mit dem braun gebrannten Gesicht und den leicht zerstrubbelten Haaren pflegt ein gesundes Selbstbewusstsein, das dank seiner bubenhaften Aura die Grenze zur Arroganz auch dann nicht überschreitet, wenn er sagt: "Ich will dorthin, wo Thomas Muster im Tennis war." Muster war einmal für kurze Zeit der beste Tennisspieler der Welt, Wiegele will das im Golf mithilfe seiner größten Stärke werden, die da lautet: "Ich denke unterm Spiel nie nach, ob ich gewinne oder verliere."

Sein Trainer Ali Rosker bestätigt die Unbekümmertheit seines Schützlings, stapelt aber trotzdem tief: "Brav und bescheiden" müsse man jetzt bleiben, "vor allem weiter in Ruhe hart arbeiten". Für Wiegele folgt als Nächstes ein Turnier in Genf, dann die BA-CA-Golf Open, in diesem Jahr will er noch einen Sieg auf der Challenge Tour einfahren.

Damit Wiegele nächstes Jahr "gut vorbereitet in die European Tour wechselt" und dann weiter alles ganz schnell gehen kann. (sjk, DER STANDARD PRINTAUSGABE 20.8. 2003)

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    Wiegele im Aufwind.

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