Das Vertrauen in Blair sinkt

20. August 2003, 18:36
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Briten glauben der BBC mehr als ihrem Premier

London – Die Untersuchung durch Lordrichter Brian Hutton bereitet der britischen Regierung schon genug Sorgen, Dienstag erhielt diese nun einen weiteren Dämpfer. Laut einer Umfrage, die die linksliberale Tageszeitung The Guardian in Auftrag gegeben hatte, glauben nur sechs Prozent der Briten, dass ihre Regierung in der Angelegenheit um den Selbstmord des ehemaligen UN-Waffeninspektors David Kelly die Wahrheit sagt. Die Hälfte der Befragten ist überzeugt, dass die Regierung Tony Blair das September-Dossier über Saddam Husseins Waffenarsenal frisiert hatte.

Besser schneidet die BBC ab, die vor allem von Blairs Kommunikationschef Alastair Campbell kritisiert worden war. Campbell wurde von der BBC vorgeworfen, dass er am Aufbauschen des Dossiers beteiligt gewesen sei. Zwar sind 52 Prozent der Befragten überzeugt, dass weder der Sender noch die Regierung die Wahrheit sagen, doch immerhin 34 Prozent vertrauen der BBC blind.

Das könnte sich ändern, wenn einige Politiker ihren Willen erhalten. Die BBC müsse nun unter Kontrolle gestellt werden, hatten Hinterbänkler der Labour-Partei von Premier Tony Blair gefordert. Erstaunlicherweise ließen die Medien kommentarlos passieren, was als Versuch der Einführung einer Zensur für den aus Lizenzgebühren finanzierten und werbefreien Sender betrachtet werden muss. (mpl/DER STANDARD, Printausgabe, 20.8.2003)

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