"Anpreisen für Anti-Aging ist vorbei"

30. Dezember 2003, 14:18
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Gynäkologe Ernst Kubista nennt Studienergebnisse zum Hormonersatz "erdrückend" und empfiehlt vorsichtige Anwendung

Wien - Der Leiter der Abteilung für Spezielle Gynäkologie am Wiener AKH, Univ.-Prof. Dr. Ernst Kubista, bezeichnet die Ergebnisse der britischen Untersuchung zum Thema Hormonersatztherapie und erhöhtes Brustkrebsrisiko als "erdrückend". "Das Anpreisen für Anti-Aging, Schönheitskult und ewige Jugend, das ist jetzt vorbei nach diesen Studien", betonte der Mediziner.

Gezielte Anwendung

Die Empfehlungen des Fachmanns speziell für die kombinierte Östrogen/Gestagen-Hormonersatztherapie: nur dann, wenn tatsächlich Symptome vorliegen; nicht länger als drei Jahre; ständiges Monitoring von Gebärmutter und Brust; Aufklärung der Patientin über alle möglichen Nebenwirkungen. Frauen, die schon länger als fünf oder gar zehn Jahre Hormonersatz erhalten, "muss man langsam davon runter bringen".

Anwendungsdauer

Grundsätzlich gebe es für viele Beschwerden in den Wechseljahren keine wirksamere Therapie, aber der Zeitraum der Verabreichung müsse "überschaubar" sein. Seinen Angaben zufolge erhalten 30 bis 50 Prozent der europäischen Frauen in der Menopause Hormonersatztherapien. Österreich ist auf diesem Gebiet Pionierland, deshalb sei die Anzahl der Patientinnen wahrscheinlich sogar noch höher. "Und es gibt genug Frauen, die sie (die Hormone, Anm.) schon länger als acht oder zehn Jahre nehmen", meinte Kubista.

Verzichtbarkeit

Von den in Therapie befindlichen Frauen könnten zehn bis 20 Prozent oder noch mehr wegen starker Symptome nicht oder nur schwer auf die Behandlung verzichten. Sie müssten aber umfassend über die Risiken aufgeklärt werden. "Das Problem ist: die versprochenen Benefits wie Verbesserung des Herzkreislauf-Risikos, der Arteriosklerose oder des kognitiven Erfassens sind nicht gegeben", dafür könnten "lebensbedrohliche Ereignisse" nicht ausgeschlossen werden.

Britische Studie auf Österreich sehr wohl übertragbar

Die Ergebnisse sowohl der jüngst in der Fachpublikation "Lancet" erschienenen Untersuchung als auch der US-Women's Health Study (WHI) seien "sehr wohl auf Österreich übertragbar", hielt Kubista fest. "In der britischen Studie beispielsweise wurden alle verschiedenen Arten der Hormonersatztherapie untersucht, es ist auch dort individuell dosiert worden. In Österreich wird es genau so gemacht." (APA)

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    Ernst Kubista: "Das Anpreisen für Anti-Aging, Schönheitskult und ewige Jugend, das ist jetzt vorbei nach diesen Studien".
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