Blairs Büro stimmte "Überarbeitung" des Irak-Dossiers zu

20. August 2003, 18:36
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E-Mail veröffentlicht: Dokument solle "nach TB's Erörterung" verändert werden

London - Das Büro des britischen Premierministers Tony Blair hat einer am Montag veröffentlichten E-Mail zufolge der Überarbeitung des brisanten Dossiers über angebliche irakische Massenvernichtungswaffen zugestimmt. In dem von Blairs Kommunikationsberater Alastair Campbell verfassten Schreiben heißt es, das Dokument solle "nach TB's Erörterung" verändert werden, wobei es sich bei "TB" offensichtlich um Tony Blair handelt. Die E-Mail vom 5. September vergangenen Jahres spricht von einer "grundlegenden Überarbeitung" und fährt im Telegrammstil fort: "Übereinkunft, dass wirkliches Geheimdienstmaterial verwendet werden muss". Vorher sollte der Bericht der E-Mail zufolge auch mit den USA abgestimmt werden.

Der Bericht wurde am 24. September veröffentlicht. Campbell soll am Dienstag in der Affäre um den Tod des britischen Waffenexperten David Kelly zu seiner Rolle bei der Formulierung eines Dossiers vernommen werden. Campbell ließ nach einem BBC-Bericht in ein Geheimdienstdossier eine Passage einfügen, nach der der Irak innerhalb von 45 Minuten zum Einsatz von Massenvernichungswaffen bereit war. Kelly war für die BBC die Hauptquelle für Berichte, wonach die Londoner Regierung mit fragwürdigen Geheimdienstinformationen die Gefahr irakischer Massenvernichtungswaffen aufgebauscht hat. Wenige Tage der Enttarnung als Hauptquelle des Berichts war Kelly tot aufgefunden worden. (APA)

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